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Tanken gerade: Diesel zieht an, Benzin gibt nach

Diesel wird teurer, Benzin günstiger: Wir erklären, warum sich die Spritpreise gerade gegenläufig entwickeln und wo Tanken aktuell am meisten kostet.

Redaktion
·
28. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Tagen

Zwei Kraftstoffe, zwei Richtungen

Wer in diesen Tagen an die Zapfsäule fährt, merkt es vielleicht schon: Super und Diesel bewegen sich gerade in entgegengesetzte Richtungen. Nach ADAC-Zahlen ist Super E10 im Wochenvergleich um 4,1 Cent günstiger geworden und liegt im Bundesschnitt bei 2,110 Euro je Liter. Diesel dagegen hat sich um 0,8 Cent verteuert und kostet im Schnitt 2,255 Euro. Wie der NDR unter Berufung auf die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe berichtet, lag der Preis für Super zuletzt bundesweit bei 2,15 Euro, Diesel bei 2,28 Euro pro Liter — kaum verändert gegenüber dem Mittelwert der vergangenen 60 Tage.

Das klingt erstmal nach Zahlenjonglage, hat aber ganz handfeste Gründe. Und die lohnt sich anzuschauen, wenn man demnächst wieder vor der Wahl steht: Super oder Diesel, welche Tankstelle, welche Uhrzeit.

Warum der Diesel so viel krisenanfälliger ist

Der NDR ordnet das so ein: Diesel reagiert deutlich empfindlicher auf geopolitische Krisen als Benzin. Das liegt daran, dass der Kraftstoff eine größere Rolle in der Industrie spielt und teilweise sogar als Ersatz für Gas genutzt wird. Dazu kommt: Deutschland ist beim Diesel stärker auf Importe angewiesen, während heimische Raffinerien den Benzinbedarf weitgehend selbst decken können. Der ADAC nennt noch einen weiteren Faktor für den aktuellen Dieselanstieg: Mit Beginn der kälteren Jahreszeit steigt die Nachfrage nach Heizöl — und das drückt zusätzlich auf den Dieselpreis, weil beide Produkte eng miteinander verwandt sind.

Beim Ölpreis selbst zeigt sich die Unruhe am Weltmarkt deutlich. Laut ADAC kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent am 20. Oktober rund 109 US-Dollar — etwa drei Dollar mehr als eine Woche zuvor. Der NDR verweist zusätzlich auf Probleme rund um die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab sowie auf eine beschädigte Pipeline in Saudi-Arabien, die den Ölmarkt seit Monaten nervös machen. Vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar lag der Preis für Super laut Markttransparenzstelle noch bei 1,83 Euro, Diesel bei 1,75 Euro je Liter. Der Unterschied zu heute ist erheblich.

Tankrabatt: Wo kommt er an?

Bund und Länder hatten angesichts der Allzeit-Höchststände bei Benzin und Diesel reagiert: Seit dem 1. Oktober gilt ein neuer Tankrabatt, der bis Ende Dezember läuft. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt dabei um 14 Cent, inklusive Mehrwertsteuer ergibt das eine Entlastung von knapp 17 Cent pro Liter. Insgesamt sollen Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen laut NDR um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden.

Beim Benzin scheint der Rabatt inzwischen größtenteils an der Zapfsäule anzukommen, wie der ADAC feststellt — das erklärt mit, warum Super E10 zuletzt spürbar günstiger wurde, obwohl der Ölpreis gleichzeitig stieg. Beim Diesel sieht es anders aus: Eine Untersuchung des ifo-Instituts, auf die sich der NDR bezieht, zeigt, dass von den 17 Cent Steuersenkung beim Diesel nur rund 14 Cent tatsächlich bei den Kundinnen und Kunden ankommen.

Wo Tanken aktuell teuer oder günstig ist

Nicht überall in Deutschland zahlt man gleich viel. Nach ADAC-Daten ist Super E10 derzeit in Baden-Württemberg am günstigsten (2,025 Euro), gefolgt von Berlin (2,030 Euro) und dem Saarland (2,042 Euro). Bei Diesel liegt Berlin vorn (2,171 Euro), vor Sachsen (2,178 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (2,179 Euro). Am teuersten ist Tanken aktuell in Hessen — dort kostet sowohl Benzin (2,114 Euro) als auch Diesel (2,222 Euro) im Bundesvergleich am meisten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen.

Für die Rhein-Mosel-Region heißt das zunächst mal: ein Blick auf die Preistafel lohnt sich, bevor man an die nächstbeste Säule fährt. Der ADAC weist darauf hin, dass die Preisunterschiede zwischen Tankstellen im Schnitt bis zu 7 Cent je Liter betragen können — an Autobahntankstellen oft noch deutlich mehr.

Die 12-Uhr-Regel und was sie wirklich bringt

Seit der Einführung des sogenannten Österreich-Modells Anfang April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Der ADAC zieht daraus eine nüchterne Bilanz: Die Zahl der täglichen Preisänderungen ist zwar gesunken, die Preise selbst sind dadurch aber nicht niedriger geworden. Stattdessen hat sich die Preisdifferenz innerhalb eines Tages deutlich vergrößert. ADAC-Verkehrspräsident Peter König fordert deshalb, die Regel wieder abzuschaffen, weil sie ihr Ziel aus Verbrauchersicht verfehlt habe. Wer mittags tanken muss, zahlt demnach oft unnötig drauf — ein guter Grund, eher am Vormittag als am frühen Nachmittag an die Säule zu fahren.

Was als Nächstes kommt

Der aktuelle Tankrabatt läuft bis Jahresende. Was danach passiert, ist laut NDR noch offen — klar ist nur, dass ein Spritpreisdeckel spätestens zum 1. Januar 2027 kommen soll. Als Vorbild dienen Regelungen aus Luxemburg und Belgien. Der ADAC hat dazu eine Studie am Düsseldorf Institute for Competition Economics in Auftrag gegeben, die verschiedene Regulierungsmodelle und ihre Auswirkungen auf Preise und Wettbewerb untersucht.

Das Bundeskartellamt beobachtet die Lage derweil genau. Behördenchef Andreas Mundt erklärte laut NDR, man werde konsequent gegen kartellrechtswidriges Verhalten vorgehen, sollte es Hinweise darauf geben — machte aber zugleich deutlich, dass es kein Mittel gebe, geopolitisch bedingte Preissteigerungen einfach abzustellen.

Bis dahin bleibt nur: Preise vergleichen, Tankzeitpunkt im Blick behalten, und wer noch mit Super E5 fährt, kann bei vielen Fahrzeugen seit Baujahr November 2010 problemlos auf das günstigere E10 umsteigen. Kleine Entscheidungen, die sich am Monatsende durchaus bemerkbar machen.

Quellen


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