
Steuersenkung, hohe Rohölpreise und Preisunterschiede an der Zapfsäule: Was hinter den aktuellen Spritpreisen steckt und wie Bund und Länder gegensteuern.
Wer in diesen Wochen an der Zapfsäule steht, schaut zweimal hin. Die kriegerischen Ereignisse und die erneute Eskalation im Nahost-Konflikt sorgen für Unsicherheit an den Märkten, und genau diese Entwicklung treibt die Spritpreise in Deutschland nach oben. Das betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern ganz direkt Pendlerinnen und Pendler, Familien, Ehrenamtliche, Freiberufler — kurz: alle, die aufs Auto angewiesen sind. Und seien wir ehrlich: Wer zwischen Koblenz und Mosel täglich pendelt, kennt dieses mulmige Gefühl beim Blick auf die Preistafel genau.
Die Bundesregierung hat reagiert. Seit dem 1. Oktober senkt der Bund die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende 2026 um 14 Cent pro Liter. Rechnet man den Anteil der Umsatzsteuer mit ein, der auf diese Steuer entfällt, kommt eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter zusammen. Insgesamt sollen Bürgerinnen, Bürger und die Wirtschaft laut Bundesregierung um etwa 2,5 Milliarden Euro entlastet werden — getragen gemeinsam von Bund und Ländern, wobei die Länder 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beisteuern.
Bundeskanzler Friedrich Merz begründet den Schritt so: Wer jeden Tag aufs Auto angewiesen sei, komme an seine Belastungsgrenze, man handle deshalb schnell und habe einen klaren Fahrplan für 2027. Die Maßnahme ist zunächst bis zum Jahresende 2026 befristet.
Die berechtigte Frage, die sich viele stellen: Wird aus der Steuersenkung auch tatsächlich ein niedrigerer Preis an der Säule? Die unabhängige Monopolkommission und das Bundeskartellamt kommen laut Bundesregierung zu dem Schluss, dass die Energiesteuersenkung bei Benzin und Diesel im Mai und Juni 2026 weitgehend bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen ist. Die Maßnahme habe ihre Funktion erfüllt, Preisspitzen in Phasen besonders hoher Kraftstoffpreise effektiv abzufangen.
Ganz reibungslos läuft es trotzdem nicht überall. Wie das Hamburger Portal MOPO unter Berufung auf eine ZEW-Studie berichtet, ist seit April eine sogenannte 12-Uhr-Regel in Kraft, die Tankstellen nur noch eine Preiserhöhung pro Tag erlaubt. Die Studie zeigt demnach, dass die Marge auf Benzin dadurch um weitere rund sechs Cent je Liter gestiegen ist. Sinkende Rohölpreise oder Steuererleichterungen kommen also nicht automatisch eins zu eins bei den Autofahrerinnen und Autofahrern an.
Ein Blick auf die Zusammensetzung hilft, das Ganze einzuordnen. Vor der Steuersenkung lag die Energiesteuer auf Benzin bei rund 65 Cent pro Liter, bei Diesel bei etwa 47 Cent. Hinzu kommen bis zu 17 Cent CO2-Abgabe sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den gesamten Preis — inklusive aller Steuern. Unterm Strich fließt damit nach wie vor ein erheblicher Teil dessen, was an der Zapfsäule gezahlt wird, direkt an den Staat. Der aktuelle Tankrabatt von rund 17 Cent pro Liter mildert das etwas ab, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Struktur.
Die Bundesregierung kündigt an, Gespräche mit der Mineralölwirtschaft zu führen, mit dem Ziel, spätestens zum 1. Januar 2027 einen vorübergehenden Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens einzuführen. Dabei soll die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben, missbräuchliche Preisaufschläge sollen unterbunden werden. Zusätzlich begrüßt die Bundesregierung Gespräche auf EU-Ebene, die sich an einem früheren Energiekrisenbeitrag von 2022 orientieren.
Für besonders betroffene Menschen und Unternehmen soll es laut Bundesregierung außerdem die Möglichkeit eines einkommensbezogenen Direktauszahlmechanismus geben, sollte sich die Lage weiter zuspitzen. Schon jetzt gibt es flankierende Maßnahmen: eine dauerhaft erhöhte Pendlerpauschale, die Mobilitätsprämie für Menschen mit geringem Einkommen sowie ab 2027 eine geplante Reduzierung der Einkommensteuer, die Familien und mittlere Einkommen entlasten soll. In der Landwirtschaft wurde zudem die Agrardiesel-Rückvergütung vollständig wieder eingeführt.
Wie groß die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen tatsächlich sein können, zeigt ein Beispiel aus Hamburg: Laut MOPO lagen dort zwischen der günstigsten und der teuersten Tankstelle zuletzt rund 70 Cent pro Liter — bei einem Durchschnittspreis von etwa 1,99 Euro für Super E10. Auch wenn sich das nicht eins zu eins auf die Rhein-Mosel-Region übertragen lässt, zeigt es doch: Wer vergleicht, kann bares Geld sparen. Ein Blick auf die Preis-Apps vor dem Volltanken lohnt sich also nach wie vor.
Was bleibt also zu tun, wenn die großen politischen Räder sich nur langsam drehen? Wer kann, tankt antizyklisch, vergleicht Preise und fährt vorausschauend — jeder gesparte Cent zählt gerade jetzt. Und während der Rest sich auf politischer Ebene klärt, bleibt uns: Radio an, Blick auf die Tankanzeige, und weiterfahren. Zuhause klingt manchmal nach 98.0 — auch auf dem Weg zur Tankstelle.
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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