
Neuwied startet eine neue Stadtentwicklungsstrategie mit Bürgerbeteiligung, Stadtteilwerkstätten und Online-Mitmachportal.
Wie soll Neuwied in zehn Jahren aussehen? Wo wollen wir einkaufen, wohnen, uns treffen? Und was ist den Menschen hier eigentlich wichtig, wenn es um die eigene Stadt geht? Genau diese Fragen stehen am Anfang eines neuen Beteiligungsprozesses, den die Stadt Neuwied gerade angestoßen hat. Es geht um nichts Geringeres als eine neue Stadtentwicklungsstrategie – und die soll diesmal nicht allein am Schreibtisch entstehen, sondern gemeinsam mit den Menschen, die hier leben.
Den Auftakt bildete ein öffentliches Forum unter dem Titel „NeuWie? Deine Stadt von morgen denken“, das am 26. März in der Aula der David-Roentgen-Schule stattfand. Von 17.30 bis 20 Uhr informierte die Verwaltung über Ziele, Ablauf und Themen der neuen Strategie, bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in moderierten Austauschformaten selbst Ideen einbringen konnten. Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte parallel die Möglichkeit, sich online zu beteiligen – unabhängig von Zeit und Ort, wie News Koblenz berichtet.
Die bisherige Stadtentwicklungsstrategie stammt aus dem Jahr 2018 und gilt bis heute als wichtige Grundlage für die Entwicklung Neuwieds. Doch seitdem hat sich einiges verändert. Klimaschutz, Mobilität, Wohnen – Themen, die vor ein paar Jahren noch anders gewichtet wurden, stehen heute ganz oben auf der Agenda. Genau deshalb will die Stadt nun eine aktualisierte, gemeinsam getragene Zukunftsvision erarbeiten. Das Ziel: klare strategische Ziele formulieren, Themen stärker miteinander verknüpfen und einen langfristigen Orientierungsrahmen schaffen, an dem sich Politik und Verwaltung in den kommenden Jahren ausrichten können.
Wer schon mal in der Neuwieder Innenstadt unterwegs war und sich gefragt hat, warum manche Läden leer stehen und andere florieren, bekommt hier übrigens auch einen Blick hinter die Kulissen der Stadtplanung. Schon 2018 hatte der Stadtrat mit der damaligen Stadtentwicklungsstrategie 2030 den Grundstein für eine systematische Auseinandersetzung mit dem Thema Einzelhandel gelegt. Die Stadt Neuwied beauftragte Ende 2019 das Planungsbüro Junker+Kruse aus Dortmund mit der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts. Ab Anfang Februar 2020 wurde der komplette Einzelhandelsbesatz erfasst – Sortimente, Verkaufsflächen, alles, was für eine fundierte Analyse nötig war.
Schon beim Einzelhandelskonzept zeigte sich: Ohne die Menschen vor Ort geht es nicht. Zwischen Juni und November 2020 tagte eine Lenkungsgruppe aus Wirtschaftsförderung, IHK und Handelsverband gleich zweimal, um Bestandsanalyse und Konzeptbausteine zu diskutieren. Im Sommer 2021, genauer vom 19. Juli bis 15. August, konnten die Neuwiederinnen und Neuwieder dann online mitreden, wie sie Einkaufen und Einzelhandel in ihrer Stadt erleben. Im Anschluss wurden auch Nachbargemeinden, Behörden und die Öffentlichkeit beteiligt, bevor der Stadtrat das Konzept am 28. April 2022 schließlich beschloss.
Der neue Prozess rund um die Stadtentwicklungsstrategie geht jetzt noch einen Schritt weiter. Geplant sind unter anderem 14 Stadtteilwerkstätten – also nicht nur ein zentrales Format für die ganze Stadt, sondern Gelegenheiten, die Besonderheiten einzelner Stadtteile direkt einzubringen. Wer kennt seinen Stadtteil schließlich besser als die Menschen, die dort jeden Tag unterwegs sind? Besonders bemerkenswert: Es sind auch eigene Formate für Kinder und Jugendliche vorgesehen, damit deren Perspektiven nicht untergehen. Denn die Zukunft einer Stadt betrifft am Ende alle Generationen – auch die, die heute noch zur Schule gehen und erst in ein paar Jahren selbst Entscheidungen für Neuwied mittragen werden.
Die Online-Plattform sowie weitere Informationen zum Prozess, zu Terminen und Hintergründen finden sich unter www.neuwied.de/stadtentwicklungsstrategie. Unter allen, die sich online beteiligen, wird zudem ein Gewinnspiel durchgeführt. Wer Fragen hat, kann sich laut News Koblenz an Alessa Strubel von der Stadt Neuwied wenden.
Was am Ende dabei herauskommt, wird sich über die nächsten Monate zeigen. Aber dass eine Stadt wie Neuwied ihre Bürgerinnen und Bürger nicht nur informieren, sondern aktiv einbinden will, ist schon mal ein gutes Zeichen. Vielleicht ist das Deutsche Eck nicht weit, aber am Ende entscheidet sich Zukunft nicht an Flussmündungen, sondern in Stadtteilwerkstätten, auf Online-Plattformen und bei Gesprächen, die genau jetzt beginnen. Wer mitreden will, hat die Chance dazu – und das ist mehr, als viele Städte ihren Menschen bieten.
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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