
Eine neue Gedenktafel in Niederbieber erinnert an Erzbischof Hermann zu Wied und Salentin von Isenburg, die beide in der dortigen Kirche beigesetzt wurden.
Manchmal steht man vor einem Gebäude, geht täglich daran vorbei, und ahnt doch nicht, was darin verborgen liegt. So ging es offenbar vielen Menschen in Neuwied-Niederbieber mit ihrer Evangelischen Kirche. Dass hier Erzbischof Hermann zu Wied seine letzte Ruhestätte fand, wissen die meisten — schließlich trägt die Stadt Neuwied seinen Namen weiter. Weniger bekannt war bislang, dass auch ein zweiter Kölner Erzbischof in der Kirche beigesetzt wurde: Salentin von Isenburg.
Jetzt wird dieses Wissen für jeden sichtbar, der die Kirche betritt. Eine neue Gedenktafel aus schwarzem Granit weist am Eingang auf die besondere Bedeutung des Gotteshauses als Grabstätte zweier Erzbischöfe hin. Der Kirchbauverein Niederbieber hat die Tafel anfertigen lassen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, die der NR-Kurier veröffentlicht hat.
Hermann zu Wied lebte von 1477 bis 1552, Salentin von Isenburg von 1532 bis 1610. Beide bekleideten das Amt des Kölner Erzbischofs, beide fanden ihre letzte Ruhe in derselben Dorfkirche im heutigen Neuwied-Niederbieber. Genau diese Doppel-Bedeutung soll die neue Tafel künftig deutlich machen — für Besucherinnen und Besucher, aber auch für die Menschen aus der Region selbst, die oft gar nicht wissen, welchen historischen Schatz sie direkt vor der Haustür haben.
Vorsitzender Erhard Jung erklärt die Beweggründe des Vereins so: Die zentrale Aufgabe sei natürlich die Förderung des baulichen Erhalts der Kirche. Daneben sehe man es aber auch als Pflicht an, die kulturelle Bedeutung des Bauwerks ins Blickfeld zu rücken. Wie die Plattform Lebendiges Neuwied berichtet, soll damit zugleich noch einmal deutlich werden, wie wichtig die fortlaufende Pflege und der Erhalt der rund 800 Jahre alten Kirche sind.
Der Kirchbauverein Niederbieber engagiert sich schon lange für das Gebäude. Seit seiner Gründung im Jahr 1995 hat der Verein nach eigenen Angaben rund 180.000 Euro zur Pflege und zum Erhalt der Kirche beigetragen. Das ist eine stattliche Summe für ein Bauwerk, das schon so viele Jahrhunderte überdauert hat — und das jetzt mit der neuen Tafel noch ein Stück greifbarer wird für alle, die sich für die Geschichte der Region interessieren.
Die Granittafel am Eingang soll dabei nicht das letzte Wort sein. Geplant ist, sie im Inneren der Kirche durch zusätzliche Informationen zu den beiden Erzbischöfen zu ergänzen. Wer künftig die Kirche besucht, soll also nicht nur erfahren, dass hier zwei bedeutende Geistliche beigesetzt wurden, sondern auch mehr über ihr Leben und Wirken erfahren.
Kennt ihr das, dieses Gefühl, wenn man einen Ort plötzlich mit anderen Augen sieht, weil man etwas über seine Geschichte erfährt? Genau das passiert gerade in Niederbieber. Eine kleine Dorfkirche, die viele vielleicht nur vom Vorbeifahren kennen, entpuppt sich als Ort mit europäischer Geschichte — schließlich waren Kölner Erzbischöfe im 16. und 17. Jahrhundert bedeutende politische und geistliche Machtfiguren.
Die Initiative des Kirchbauvereins zeigt, wie viel ehrenamtliches Engagement nötig ist, damit solche Orte nicht nur stehen bleiben, sondern auch erzählt werden. Eine Gedenktafel allein rettet kein Gemäuer. Aber sie sorgt dafür, dass Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, sondern weitergegeben wird — an alle, die mit offenen Augen durch Niederbieber gehen.
Vielleicht ist das ja ein guter Anlass für den nächsten Spaziergang durch die Rhein-Mosel-Region: kurz an der Kirche in Niederbieber vorbeischauen und selbst nachlesen, wer hier seine letzte Ruhe fand.






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