
Zoo Neuwied öffnet im November die Baustelle der neuen Seehundanlage für kostenlose Führungen an sechs Terminen.
Wer kennt das nicht: Man steht am Bauzaun, schaut durch die Ritzen und fragt sich, was da eigentlich gerade entsteht. Im Zoo Neuwied muss man dafür im November nicht mehr auf Zehenspitzen stehen. Der Zoo öffnet die Baustelle der neuen Seehundanlage für öffentliche Führungen – und damit bekommen Besucherinnen und Besucher einen Einblick in das derzeit größte Bauprojekt des Hauses.
Die Seehundanlage ist nicht irgendein Umbau. Seit Juni 2024 entsteht sie auf dem Gelände der ehemaligen Anlage, die Tiere selbst leben währenddessen im niederländischen Zoo Emmen. Wer durch Neuwied kommt und am Zoo vorbeischaut, sieht seit Monaten Kräne, Rohbauten und ein riesiges Betonbecken – und genau dahinter dürfen Interessierte jetzt schauen.
Die Zooschule bietet die Führungen an sechs Terminen im November an: freitags am 6., 13. und 27. November jeweils von 13 bis 16 Uhr sowie samstags am 7., 14. und 28. November von 11 bis 14 Uhr. Die Rundgänge starten im 30-Minuten-Takt in Kleingruppen, Treffpunkt ist das Infomobil der Zooschule direkt an der Baustelle.
Die Teilnahme selbst kostet nichts, lediglich der reguläre Zooeintritt wird fällig. Weil die Anlage noch nicht fertig ist, bleiben manche Bereiche weiterhin verschlossen – festes Schuhwerk ist deshalb empfehlenswert. Kinder dürfen nur in Begleitung Erwachsener mit auf den Rundgang.
Dass der Bau kein gewöhnliches Projekt ist, zeigte sich schon beim Richtfest im April 2025. Dieter Neuer, kaufmännischer Geschäftsführer des Zoos, beschrieb damals, wie ungewöhnlich diese Baustelle ist: Für eine Anlage wie diese gebe es kein Schema F und kaum Erfahrungswerte. Jedes Bauteil musste eigens angefertigt werden, allein die richtige Betonmischung, die dauerhaftem Kontakt mit Salzwasser standhält, kostete monatelange Entwicklungsarbeit von Architekturbüro und Rohbauunternehmen.
Seit dem Richtfest ging es Stück für Stück weiter: große Panoramascheiben, das Füllen des Beckens, die Modellierung des Außenbereichs und schließlich die Verkleidung samt Filteranlage und Besucher-Erlebnisraum standen auf der Liste der nächsten Schritte. Wie weit genau diese Arbeiten inzwischen fortgeschritten sind, erfahren Besucherinnen und Besucher jetzt direkt bei den Führungen im November – dort erklärt die Zooschule den aktuellen Baufortschritt und die noch ausstehenden Arbeiten.
Möglich wird das ganze Vorhaben vor allem durch die Else Schütz Stiftung, die 90 Prozent der Baukosten übernimmt. Für die restlichen zehn Prozent ist der Zoo weiterhin auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. Johann Christian Meier von der Stiftung zeigte sich beim Richtfest zuversichtlich, dass das Projekt im angestrebten Zeitrahmen gelingt und am Ende, wie er es formulierte, „eine rundum gute Sache“ wird.
Zoodirektor Mirko Thiel betont, dass die neue Anlage die Haltungsbedingungen der Seehunde deutlich verbessern soll – und gleichzeitig Vorteile für Besucher und Mitarbeiter bringt. Bis die Tiere aus den Niederlanden zurückkehren, sind allerdings noch weitere Arbeiten nötig. Nach den Verzögerungen, die es durch Wetter, Lieferengpässe und andere Widrigkeiten in der Vergangenheit schon gegeben hat, hält sich der Zoo mit festen Terminversprechen inzwischen bewusst zurück.
Baustellenführungen klingen erstmal nach trockener Materie – Beton, Technik, Zeitpläne. Aber ist es nicht genau das, was ein Projekt wie dieses spannend macht? Zu sehen, wie aus einem leeren Becken und ein paar Rohbauten langsam ein Lebensraum für Tiere entsteht, die bald wieder zurück nach Neuwied kommen sollen. Wer in der Region wohnt, hat die Chance, dieses Stück Zoogeschichte live mitzuerleben, bevor die ersten Besucher durch die fertige Anlage schlendern.
Ein Spaziergang durch den Zoo, ein Abstecher an die Baustelle, vielleicht noch ein Kaffee am Rhein danach – so ein Novembertag kann ziemlich gut ausgehen.






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