
Das Palliativnetzwerk Neuwied begleitet seit 2009 schwerstkranke Menschen und ihre Familien. Landrat Hallerbach sichert dem Netzwerk weitere Unterstützung zu.
Reden wir über das Sterben? Eher selten, und wenn, dann leise. Genau da setzt das Palliativnetzwerk Neuwied an. Die Steuerungsgruppe traf sich kürzlich mit Landrat Achim Hallerbach zum Austausch, und der Tenor war eindeutig: Das Thema Sterblichkeit gehört raus aus der Tabuzone und rein in den Blick der Öffentlichkeit. Hallerbach selbst möchte das Netzwerk deshalb auch in die Gesundheitsmesse des Landkreises am 23. März 2025 einbinden.
Das kennt ihr vielleicht: dieses Unbehagen, wenn das Gespräch auf Krankheit, Sterben oder den letzten Weg kommt. Berührungsängste gibt es viele, Wissen oft wenig. Genau deshalb braucht es Netzwerke wie dieses, die Betroffenen und Angehörigen zeigen, dass sie mit all den Fragen nicht allein sind.
Gegründet wurde das Palliativnetzwerk Neuwied bereits 2009. Das Ziel damals wie heute: die Versorgung, Betreuung und Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie ihren Zugehörigen zu verbessern. Es geht um mehr Lebensqualität, um Selbstbestimmung und darum, ein menschenwürdiges Leben und Sterben in vertrauter Umgebung zu ermöglichen.
Wie das Palliativnetzwerk im Landkreis Neuwied auf seiner eigenen Website beschreibt, handelt es sich um einen Zusammenschluss hospizlich und palliativ tätiger Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, verschiedener Dienste und Praxen. Das Einzugsgebiet umfasst das Stadtgebiet und den gesamten Landkreis Neuwied. Die multiprofessionelle Kooperation reicht von der häuslichen, ambulanten Betreuung über Kliniken bis hin zu Einrichtungen der stationären Behinderten- und Altenhilfe sowie Hospizen.
Wichtig dabei: Das Netzwerk übernimmt selbst keine patientennahen Tätigkeiten. Es schließt auch keine Verträge mit Kostenträgern ab. Die Verantwortung bleibt bei den jeweiligen Mitgliedseinrichtungen. Das Netzwerk versteht sich vielmehr als Plattform für Austausch, kontinuierliche Weiterbildung und Vernetzung.
Mittlerweile zählt das Palliativnetzwerk 53 Mitglieder. Darunter sind Alten- und Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste, der Hospizverein, das Ambulante Hospiz, das Rhein-Wied Hospiz, der SAPV-Stützpunkt Koblenz-Neuwied-Mittelrhein-Hunsrück, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, Palliativstationen, Pflegestützpunkte, Physiotherapiepraxen, Apotheken, kirchliche Einrichtungen sowie die Verbandsgemeinde Linz und die Kreisverwaltung selbst.
Christoph Drolshagen, Leiter der Marienhaus Hospize und selbst über Jahre Sprecher des Netzwerks, betonte beim Treffen mit dem Landrat die Bedeutung der regelmäßigen Qualitätszirkel und Fachtage. Die Qualitätszirkel richten sich an alle, die in Medizin, Pflege, Betreuung, Sozialarbeit und Beratung tätig sind – und auch an interessierte Privatpersonen. Bei den Fachtagen wiederum stehen wechselnde Schwerpunktthemen aus der Hospiz- und Palliativarbeit im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren ging es etwa um „Wege aus dem Labyrinth“, um Selbstfürsorge während und nach der Pandemie und zuletzt um den Umgang mit Sterbewünschen.
Als besondere Meilensteine nannte Drolshagen die Umsetzung der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung im Landkreis Neuwied sowie die Eröffnung des Rhein-Wied Hospiz Ende August des vergangenen Jahres.
Ein Punkt, der dem Landrat besonders am Herzen liegt: Mit dem Ambulanten Hospiz und dem Heinrich-Haus bieten inzwischen zwei Netzwerkmitglieder sogenannte Letzte-Hilfe-Kurse an. Das Ambulante Hospiz richtet diese Kurse nicht nur an Erwachsene, sondern auch an Kinder und Jugendliche. In den Kursen lernen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was sie für nahestehende Menschen am Lebensende tun können. Es geht um Grundwissen und um Mut, sich Sterbenden zuzuwenden, statt sich abzuwenden.
Einige Mitglieder engagieren sich zudem im Arbeitskreis „Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase für das nördliche Rheinland-Pfalz“. Dieses Beratungsangebot richtet sich an gesetzlich Versicherte in stationären Einrichtungen der Alten- und Eingliederungshilfe.
Für dieses Jahr hat sich die Steuerungsgruppe zwei neue Schwerpunkte vorgenommen. Zum einen soll im Sinne eines „Hospiz der Vielfalt“ untersucht werden, wie der Zugang zu Menschen mit Migrationshintergrund in der Hospiz- und Palliativarbeit besser gelingen kann. Zum anderen will man den Kontakt zu Einrichtungen verstärken, die sich hospizlich und palliativ um Kinder und Jugendliche kümmern.
Beim Treffen gab es auch einen personellen Wechsel zu würdigen. Gerhard Wermter, der aktuelle Netzwerkkoordinator, dankte seiner Vorgängerin Verena Krings-Ax, Mitarbeiterin des Ambulanten Hospiz, die das Netzwerk von 2016 bis 2023 koordinierte. Sie übergab ihm symbolisch den Staffelstab.
Landrat Achim Hallerbach zeigte sich beeindruckt vom Wirken des Netzwerks und sicherte weitere Unterstützung zu. Wer sich selbst einbringen oder beraten lassen möchte, findet den Netzwerkkoordinator über das Gesundheitsamt in der Ringstraße 70 in Neuwied.
Vielleicht ist genau das der Kern dieser Arbeit: Niemand muss das Lebensende allein durchstehen, weder als Betroffener noch als Angehöriger. Das ist kein leichtes Thema für eine Kaffeepause – aber eines, das uns alle irgendwann betrifft. Gut zu wissen, dass es hier, direkt vor der Haustür, ein Netzwerk gibt, das genau dafür da ist.






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