
Das LandesJugendOrchester Rheinland-Pfalz probte öffentlich in Neuwied und spielte Dvořák sowie Brahms in der Pauluskirche Bad Kreuznach mit Solist Nathan…
Manchmal reicht ein Blick auf den Terminkalender, um zu merken: Hier passiert gerade etwas Besonderes in der Region. Das LandesJugendOrchester Rheinland-Pfalz hat seine Herbst-Arbeitsphase mit einem Programm eröffnet, das zwischen Sagenwelt und Sehnsucht pendelt – und das gleich an zwei Orten zu hören war. Erst öffentlich geprobt in Neuwied-Engers, dann aufgeführt in Bad Kreuznach. Wer schon mal überlegt hat, wie aus wochenlanger Probenarbeit ein fertiges Konzert wird, bekam hier die seltene Gelegenheit, genau das live mitzuerleben.
Am 16. Oktober öffnete die Aula des Heinrich-Hauses in Neuwied-Engers ihre Türen für eine öffentliche Generalprobe. Einen Tag später, am 17. Oktober, folgte die eigentliche Aufführung in der Pauluskirche Bad Kreuznach – eine Veranstaltung der Stadt Bad Kreuznach und von „Kreuznach Klassik“ der Barbara und Rudi Müller-Stiftung. Der Eintritt war frei, um Spenden wurde gebeten.
Auf dem Programm stand ein großer Bogen durch die Musikgeschichte. Den Anfang machte Antonín Dvořáks „Die Mittagshexe“, die mit raffinierten orchestralen Mitteln von einer unheimlichen Begegnung erzählt. Danach folgte Johannes Brahms‘ Violinkonzert D-Dur – gespielt vom jungen Ausnahmegeiger Nathan Mierdl. Den Abschluss bildete Dvořáks Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“, ein Werk, das böhmische Klangtradition und amerikanische Inspiration zu einer musikalischen Reise verbindet.
Mierdl ist keine unbeschriebene Blatt in der internationalen Musikwelt. Bereits mit 24 Jahren wurde er Erster Konzertmeister des Orchestre Philharmonique de Radio France. Sein Weg führte ihn über ein Masterstudium am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, durch Akademien des Orchestre Philharmonique de Radio France und des Orchestre de Paris bis hin zum Orchestre National de France. Er ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und hat unter anderem mit der Weimarer Staatskapelle und dem London Philharmonic Orchestra konzertiert. Seine Geige: ein 2021 eigens für ihn gebautes Instrument von Stephan Von Baehr.
Die musikalische Leitung lag bei David Fernández Caravaca – er übernahm anstelle der erkrankten Dirigentin Lea Ray die Herbstarbeitsphase und die Herbstkonzerte 2026. Caravaca zählt zu den aufstrebenden Dirigenten der jungen spanischen Generation. Er gewann den ersten Preis beim Dirigierwettbewerb des MDR-Sinfonieorchesters Leipzig 2026 sowie den ersten Preis des Dirigierwettbewerbs Jeunesses Musicales Spanien 2023. 2024 wurde er in die Konzertförderung Forum Dirigieren des Deutschen Musikrats aufgenommen. In der laufenden Saison zählten Debüts mit der Elbland Philharmonie Sachsen, dem Orquesta Sinfónica de Tenerife und den Hofer Symphonikern zu seinen Stationen, dazu kamen Rückkehr-Engagements beim Orquesta Sinfónica de Navarra und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Am Staatstheater Mainz dirigierte er zudem die Wiederaufnahme der Oper „Peter Pan“ von Richard Ayres. Mit dem LandesJugendOrchester Rheinland-Pfalz hatte er bereits in zwei vorangegangenen Arbeitsphasen zusammengearbeitet.
Das LandesJugendOrchester Rheinland-Pfalz steht in der Trägerschaft des Landesmusikrats Rheinland-Pfalz. Wer hier mitspielen will, muss sich durch ein Probespiel qualifizieren – entsprechend zählen die jungen Musikerinnen und Musiker zu den herausragenden Nachwuchstalenten des Landes. Dreimal im Jahr, immer während der rheinland-pfälzischen Schulferien, kommen sie zu intensiven Arbeitsphasen zusammen. Als jüngstes Spitzenorchester des Landes tritt das Ensemble im In- und Ausland auf und wirkt dabei, wie es offiziell heißt, als kulturpolitischer Botschafter Rheinland-Pfalz‘.
Das ist auch der Grund, warum solche Termine mehr sind als nur ein Abend mit klassischer Musik. Hier wächst etwas heran – junge Talente, die später vielleicht selbst an Pulten wie dem von Nathan Mierdl stehen. Und die Region, von Neuwied bis Bad Kreuznach, bekommt live mit, wie aus Probenarbeit große Momente werden. Wer das nächste Mal von einer öffentlichen Generalprobe in der Gegend hört, sollte sich das vielleicht vormerken. Nicht jeder Ort bekommt die Chance, einem Landesorchester beim Werden zuzuhören.






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