
Der Tankrabatt wirkt bei Benzin fast vollständig, bei Diesel nur teilweise. Ifo, DIW und Kartellamt zeigen, wie viel wirklich bei Autofahrern ankommt.
Wer zuletzt an der Tankstelle in der Rhein-Mosel-Region stand, hat es vielleicht gemerkt: Der Sprit ist günstiger geworden. Seit dem 1. Oktober gilt der neue Tankrabatt, eine Steuersenkung von 17 Cent je Liter. Die Bundesregierung hat ihn als Reaktion auf die stark gestiegenen Ölpreise wegen des Iran-Kriegs eingeführt, befristet bis Jahresende. Doch die spannende Frage bleibt: Kommt das Geld wirklich bei uns an, oder bleibt was bei den Mineralölkonzernen hängen?
Das Münchner Ifo-Institut hat genau das nachgerechnet. Das Ergebnis für die vergangenen sieben Tage: Bei Benzin funktioniert es fast lehrbuchmäßig. Bei Superbenzin wurde die Steuersenkung nahezu vollständig weitergereicht, bei Super E5 kamen sogar die vollen 17 Cent an, bei Super E10 waren es 16 Cent. Beim Diesel sieht es anders aus. Hier wurden laut Ifo nur rund 14 Cent der 17 Cent an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben.
Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, ordnet das ein: Damit wiederhole sich die Erfahrung des letzten Tankrabatts. Schon im Mai und Juni blieb die Weitergabe bei Diesel hinter den von der Regierung in Aussicht gestellten 17 Cent zurück. Neumeier weist zudem darauf hin, dass es seit dem Start des Tankrabatts am 1. Oktober durchgehend Lücken gibt. Kumuliert über den gesamten Zeitraum ergibt das rund 16 Cent bei E5 und jeweils 14 Cent bei Diesel und E10.
Für ihre Berechnung vergleichen die Ifo-Forscher die Preise in Deutschland mit denen in Frankreich, wo es keinen vergleichbaren Rabatt gibt. Als Datengrundlage dienen Zahlen der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts und des französischen Wirtschaftsministeriums, verglichen mit der Preislage der drei Wochen vor Einführung des Rabatts.
Das Ifo ist nicht allein mit dieser Einschätzung. Wie auto-motor-und-sport.de berichtet, kommt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu einem ähnlichen Schluss: Rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent seien bei den Verbrauchern angekommen. DIW-Experte Tomaso Duso erklärt, die Preise in Deutschland seien seit dem 1. Oktober im Schnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich. Allerdings habe die Weitergabe mit der Zeit nachgelassen — seit dem 8. Oktober liege sie nur noch bei rund 9 Cent im Schnitt. Duso schränkt aber ein, dass der gewählte Vergleichstag das Ergebnis stark beeinflusst: Nimmt man den 27. statt den 30. September als Referenz, liegt die Weitergabe bei über 80 Prozent. Auch das Bundeskartellamt hat sich die Zahlen angeschaut. Präsident Andreas Mundt sagt laut auto-motor-und-sport.de, die bisherigen Auswertungen deuteten darauf hin, dass die Weitergabe der Steuersenkung schon auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels zwar weitgehend, aber nicht ganz vollständig erfolgt sei. Bei Benzin sei die Lücke dabei sogar etwas größer als bei Diesel — eine Einschätzung, die der zeitlichen Entwicklung in den Ifo-Zahlen nicht widerspricht, aber zeigt: Je nach Betrachtungszeitraum und Methode kommen die Institute zu leicht unterschiedlichen Bildern. Der ADAC wiederum sieht ebenfalls nur eine unvollständige Weitergabe und fordert die Mineralölunternehmen auf, die steuerliche Entlastung komplett durchzureichen.
Die Mineralölbranche selbst sieht das naturgemäß anders. Ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x) widerspricht den Kritikern und betont, die Steuersenkung werde von den Mitgliedsunternehmen und Markentankstellen in vollem Umfang weitergegeben.
Teurer Sprit heizt nicht nur die Laune beim Tanken an, sondern auch die Inflation. Im September hatte der Iran-Krieg zu Rekordpreisen an den Tankstellen geführt, in der Folge stieg die Inflationsrate auf 3,3 Prozent — der höchste Stand seit fast drei Jahren. Die Bundesbank rechnet damit, dass die Inflation bis ins nächste Jahr hinein merklich erhöht bleibt. Für alle, die zwischen Koblenz, Mosel und Rhein jeden Tag ins Auto steigen, ist das keine abstrakte Statistik, sondern ein Blick auf den Kontostand am Monatsende.
Wer früh aufsteht, hat den Rhein für sich — und vielleicht auch die leereren Tankstellen, bevor der Berufsverkehr losgeht. Ob sich ein Preisvergleich beim nächsten Volltanken lohnt, muss am Ende jeder selbst entscheiden. Fest steht: Der Rabatt wirkt, nur eben nicht überall gleich stark. Diesel-Fahrerinnen und -Fahrer schauen aktuell einfach genauer hin.






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