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Tankrabatt an der Zapfsäule: Warum bei euch weniger ankommt als versprochen

Tankrabatt seit Oktober: Nur zwei Drittel der Steuersenkung kommen laut DIW-Studie an der Zapfsäule an. Was Autofahrer in der Region wirklich davon haben.

Redaktion
·
20. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Volltanken und trotzdem das Gefühl, betrogen zu werden

Ihr fahrt an die Tankstelle, seht den Preis und denkt: Moment, war da nicht ein Rabatt angekündigt? Genau dieses Gefühl haben offenbar viele. Seit dem 1. Oktober senkt der Staat die Mineralölsteuer um 14 Cent pro Liter Benzin oder Diesel, zusammen mit der niedrigeren Mehrwertsteuer sollten Autofahrerinnen und Autofahrer um rund 17 Cent pro Liter entlastet werden. Das kostet den Steuerzahler nach Angaben der Bundesregierung rund 2,5 Milliarden Euro, wie das Portal handwerk.com berichtet. Die Frage, die sich viele an der Zapfsäule stellen: Kommt davon überhaupt etwas bei uns an?

Was die Zahlen tatsächlich zeigen

Die Antwort ist ernüchternd. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat dafür einen eigenen Tankrabatt-Monitor aufgesetzt und vergleicht die Preisentwicklung an deutschen Tankstellen mit der in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt. Sinken die Preise hierzulande stärker als dort, lässt sich dieser zusätzliche Rückgang dem Rabatt zuschreiben. Nach Angaben von handwerk.com zeigen die ersten Auswertungen für die erste Oktoberwoche: Beim Diesel kamen 77 Prozent der Steuersenkung an, also 12,9 Cent. Bei Super E5 waren es 68 Prozent beziehungsweise 11,3 Cent, bei Super E10 sank der Preis um 11,1 Cent pro Liter, was 66 Prozent entspricht.

Der Wettbewerbsexperte am DIW, Tomaso Duso, bestätigt dieses Bild auch für den weiteren Verlauf. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, seien die Preise in Deutschland seit dem 1. Oktober im Schnitt nur um zehn bis elf Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich – bei einer möglichen Entlastung von 16,7 Cent kommt also nur rund zwei Drittel bei den Verbrauchern an. Und es wird mit der Zeit nicht besser: In den ersten Tagen nach der Einführung lagen die Preise noch um rund zwölf Cent niedriger als im Nachbarland, bei Diesel sogar um bis zu 13,6 Cent. Seit dem 8. Oktober würden laut Duso im Schnitt nur noch neun Cent pro Liter weitergegeben.

Woran das liegt – und wer genau profitiert

Der Grund liegt nicht an der Tankstelle selbst, sondern weiter vorne in der Lieferkette. Die Mineralölsteuer wird fällig, wenn der Kraftstoff die Raffinerie oder das Tanklager verlässt. Die Steuersenkung erreicht also zuerst Raffinerien, Importeure und Großhändler – ob und wie viel davon an der Zapfsäule ankommt, hängt vom Wettbewerb auf diesen vorgelagerten Stufen ab, schreibt handwerk.com unter Berufung auf einen Policy Brief der Monopolkommission. Genau hier sieht auch DIW-Ökonom Duso das Problem: Es gebe deutliche Hinweise, dass der Wettbewerb auf Raffinerie- und Großhandelsebene schwach sei. Er fordert laut Süddeutscher Zeitung, dass das Bundeskartellamt seine Untersuchungen auf dieser Stufe konsequent fortführt – unabhängig vom Tankrabatt, denn der mangelnde Wettbewerb sei ein grundsätzliches Problem.

Ganz neu ist dieses Muster nicht. Schon beim ersten Tankrabatt im Frühjahr 2026 kam laut Monopolkommission ein großer Teil, aber eben nicht die gesamte Steuersenkung bei den Autofahrern an. Eine Auswertung des DIW zu der damals 1,6 Milliarden Euro teuren Maßnahme zeigt, dass ein dreistelliger Millionenbetrag bei den Mineralölunternehmen hängen blieb, wie handwerk.com berichtet. Die Geschichte wiederholt sich also – nur die Zahlen sind etwas anders verteilt.

Was macht das mit dem Alltag an der Tankstelle

Die hohen Spritpreise sind längst mehr als nur ein Ärgernis beim Volltanken. Rekordpreise für Benzin und Diesel haben die Inflation in Deutschland im September auf 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat getrieben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Kraftstoffe allein verteuerten sich im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 37 Prozent. Da wirkt ein Rabatt, der nur zur Hälfte oder zu zwei Dritteln ankommt, fast wie ein schlechter Scherz.

Der DIW-Monitor soll hier für mehr Transparenz sorgen: Die Ergebnisse werden täglich neu berechnet und bis Ende Dezember einmal wöchentlich donnerstags veröffentlicht, im Januar 2027 soll dann eine Gesamtbewertung des Tankrabatts folgen, wie handwerk.com schreibt. Ob die öffentliche Aufmerksamkeit tatsächlich Druck auf die Mineralölbranche aufbaut und mehr vom Rabatt durchreicht, bleibt abzuwarten.

Was bleibt

Für euch an der Zapfsäule heißt das erstmal: genau hinschauen lohnt sich. Wer regelmäßig tankt, merkt oft selbst am besten, ob ein Preis gerade fair wirkt oder nicht. Und während Institute und Kartellwächter die Großhandelsstufe unter die Lupe nehmen, bleibt für den Alltag vor allem eins wichtig – der Blick auf die Preistafel, bevor man an die Säule fährt. Vielleicht lohnt sich morgens ein kurzer Vergleich, bevor man einfach an der nächstbesten Tankstelle hält.

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