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Stadtarchiv Koblenz: Der lange Weg von der Alten Burg ins Forum

Vom Schimmelbefall bis zur steilen Wendeltreppe: So kompliziert war der Umzug des Koblenzer Stadtarchivs aus der Alten Burg ins Forum Confluentes.

Redaktion
·
1. November 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Tag

Ein Umzug, der seine Zeit braucht

Manche Umzüge erledigt man an einem Samstag mit ein paar Kartons und einem geliehenen Transporter. Und dann gibt es den Umzug des Koblenzer Stadtarchivs. Der ist eine andere Hausnummer — und er zeigt, wie viel Geschichte eigentlich in dieser Stadt lagert, meist unsichtbar für uns alle, bis jemand sie bewegen muss.

Das Archiv sitzt seit Jahrzehnten in der Alten Burg direkt an der Mosel. Der Plan: raus aus dem Provisorium, rein in den Kulturbau, das Forum Confluentes am Zentralplatz. Klingt nach einem überschaubaren Vorhaben. Ist es aber nicht, wie sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat.

Warum der Zeitplan ins Wanken geriet

Im Kulturausschuss der Stadt Koblenz informierte Kulturdezernent Ingo Schneider über den Stand der Vorbereitungen. Wie das zentrale Gebäudemanagement der Stadt mitteilt, war der ursprünglich geplante Umzugstermin im ersten Quartal 2026 nicht zu halten — ungeklärte Versicherungsfragen machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Ein neues festes Datum stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, 2026 blieb aber weiterhin das Ziel.

Dazu kam ein Problem, das niemand gerne in den Akten findet: Bei der Vorbereitung des Archivbestands für den Transport fielen Auffälligkeiten beim Verschmutzungsgrad einzelner Akten auf. Die Stadt kündigte eine Schadensermittlung an, um Ausmaß und weiteres Vorgehen zu klären. Auch wurde geprüft, ob der Publikumsbetrieb während Schadensermittlung und Umzug eingeschränkt werden muss.

Massiver Schimmelbefall in historischen Beständen

Wie detailliert das Problem tatsächlich war, zeigte sich in einer Ausschreibung der Stadt, über die Merkurist Koblenz berichtet. Bei der Sichtung des Archivguts wurde demnach bei etwa 180 laufenden Regalmetern mit Zivil- und Personenstandsbüchern massiver Schimmelbefall festgestellt. Betroffen sind offenbar auch Einwohnermeldekarten aus den Stadtteilen Arenberg und Rübenach. Die Stadt suchte deshalb ein Spezialunternehmen, das die beschädigten Materialien vor dem Umzug reinigt und vom Schimmel befreit — mit der Auflage strikter Verschwiegenheit und Wahrung des Datengeheimnisses für alle, die mit den Akten in Berührung kommen.

Wer sich fragt, warum ein Archivumzug überhaupt so kompliziert sein kann: Es geht hier nicht um ein paar Umzugskartons. Laut der Ausschreibung mussten rund 1000 laufende Regalmeter Archivgut und 611 Regalmeter wissenschaftliche Bibliothek verpackt, transportiert und neu einsortiert werden — darunter 20.000 Bücher, 487 Leitz-Ordner und 76 Regale. Teile der historischen Bestände reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück und mussten in Klimaboxen verpackt werden: Urkunden, Amtsbücher, dazu auch Geldmünzen und kleine Skulpturen.

Eine Wendeltreppe als Nadelöhr

Erschwerend kam hinzu, dass die Alte Burg für so einen Kraftakt eigentlich gar nicht gebaut ist. Laut Ausschreibung gibt es am bisherigen Standort weder einen Personen- noch einen richtigen Lastenaufzug, nur einen kleinen Einkabinen-Lastenaufzug mit maximal 100 Kilogramm Tragkraft. Die drei vom Archiv genutzten Stockwerke sind ausschließlich über eine steinerne Wendeltreppe zu erreichen, ein Befahren mit Palettenhubwagen war nicht möglich. Das bedeutet: viel Handarbeit, viele Treppenstufen, viel Geduld. Der Umzug selbst war laut Ausschreibung für den Zeitraum vom 15. September bis zum 15. Oktober vorgesehen.

Der Blick nach vorn — und zurück

Am Ende hat sich die Mühe gelohnt: Nach 46 Jahren hat das Koblenzer Stadtarchiv am neuen Standort im Forum eröffnet, wie Merkurist Koblenz berichtet. Aus der Burg an der Mosel in die Mitte der Stadt — das ist mehr als nur ein neuer Lagerort. Es ist auch ein Stück Stadtgeschichte, das jetzt zentraler zugänglich ist, mitten im Forum Confluentes.

Nebenbei beschäftigte sich der Kulturausschuss auch mit anderen Vorhaben, die zeigen, wie breit Koblenzer Kulturarbeit gerade aufgestellt ist. So wird am Festungsplateau im Umfeld des Spielplatzes Bleidenberg ein Instrumentenlehrpfad der Musikschule Koblenz entstehen, initiiert und finanziert vom Freundeskreis der Musikschule. Sieben Stationen sollen Eltern und Kindern künftig per Videoclip die verschiedenen Instrumentenfamilien näherbringen. Außerdem laufen die Vorbereitungen für zwei Jubiläen im kommenden Jahr: den 250. Geburtstag von Joseph Görres und den 100. Geburtstag von Valéry Giscard d’Estaing, beides Söhne der Stadt Koblenz. Für die Stadtratssitzung am 2. Oktober bereitete der Ausschuss zudem Abstimmungen über neue Eintrittspreise am Theater Koblenz ab der Spielzeit 2026/2027 sowie eine Schiedsvereinbarung zur Rückgabe von NS-Raubkunst vor.

Wer das nächste Mal am Zentralplatz vorbeigeht, kann sich kurz vorstellen, was da gerade alles unter einem Dach zusammenkommt: Urkunden aus dem Mittelalter, Einwohnermeldekarten aus Arenberg und Rübenach, Jahrzehnte Koblenzer Alltag, frisch einsortiert in neuen Regalen. Geschichte zieht eben manchmal auch einfach um.

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