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Spielplatz oder Wohnhaus: Streit um eine Fläche in der Andernacher Südstadt

In Andernach wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung eines Spielplatzes an der Von-Bodelschwingh-Straße und fordert einen alternativen Standort…

Redaktion
·
21. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Eine Grünfläche, zwei Bedürfnisse

Wer in der Andernacher Südstadt wohnt, kennt die Fläche an der Von-Bodelschwingh-Straße. Ein Spielplatz, eingezäunt, mit altem Baumbestand, direkt neben einem bestehenden Mehrfamilienhaus. Genau dort soll nach aktuellen Überlegungen der Stadt ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus entstehen, wie die Rhein-Zeitung berichtet. Die Stadt informiert über den aktuellen Sachstand, Anwohner protestieren dagegen.

Das klingt erstmal nach einem klassischen Zielkonflikt: Wohnraum schaffen oder Freifläche erhalten. Und genau an diesem Punkt reibt sich gerade die Nachbarschaft.

Die Bürgerinitiative wird laut

Eine Online-Petition mit dem Titel „Kinder brauchen Platz: Spielplatz an der Von-Bodelschwingh-Straße retten“ richtet sich direkt an den Stadtrat Andernach. Die Initiatoren stellen dabei klar: Sie seien nicht grundsätzlich gegen sozialen Wohnungsbau. Ihre Sorge gilt dem Ort selbst. Der Spielplatz sei, wie es in der Petition heißt, mehr als eine freie Fläche – er sei einer der wenigen Orte im Viertel, an dem Kinder sicher und frei spielen können, und gleichzeitig ein Treffpunkt für Familien, Schulen, Kitas und Nachbarn.

Konkret listet die Initiative mehrere Argumente auf, warum die Fläche erhalten bleiben soll:

  • Für die geplante Bebauung müssten alte Bäume gefällt werden, die im Sommer Schatten spenden und Lebensraum für Insekten und Vögel bieten.
  • Das stadtklimatische Gleichgewicht im Viertel könnte sich verschlechtern.
  • Der Platz sei ein wichtiger Entwicklungsraum für Kinder – für Motorik, Kreativität, Sozialverhalten und Naturerfahrung.
  • Die sichere Einzäunung mit nur einem Eingang mache den Spielplatz besonders für kleinere Kinder wertvoll.
  • Die benachbarte Kita Schillerring könnte durch eine direkte Wohnbebauung in ihrer Privatsphäre und Sicherheit beeinträchtigt werden.

Zusätzlich verweist die Petition auf die Verkehrssituation: Ein Wohnhaus mit 23 Wohneinheiten würde deutlich mehr Verkehr in eine Straße bringen, in der laut Initiative schon jetzt Parkplatzprobleme bestehen. Die Forderung ist entsprechend zweigeteilt: Die Spielfläche soll vollständig erhalten bleiben, und für das Wohnprojekt soll ein alternativer Standort gefunden werden.

Wie viele Menschen stehen dahinter

Die Petition läuft über die Plattform openpetition.de und ist an den Stadtrat Andernach adressiert. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zählt sie 1.668 Unterschriften – das Quorum für Andernach liegt laut Plattform bei 580 Unterschriften, also deutlich darunter. In den Kommentaren unter der Petition wird mehrfach betont, wie wichtig Grünflächen mitten in der Stadt seien, gerade wenn es sich um einen eingezäunten, gut erreichbaren Spielplatz handelt, den Kitas und Schulen aus der Umgebung für gemeinsame Treffen nutzen.

Zwei berechtigte Anliegen, eine schwierige Abwägung

Man muss kein Stadtplaner sein, um zu verstehen, warum diese Debatte Wellen schlägt. Sozialer Wohnungsbau ist in vielen Städten dringend nötig, auch in Andernach. Gleichzeitig sind Spielplätze in gewachsenen Wohnvierteln keine beliebig austauschbare Ressource – einmal bebaut, kommt die Fläche nicht einfach zurück. Beide Seiten der Debatte haben also ein nachvollziehbares Anliegen, nur eben keine einfache gemeinsame Lösung.

Die Stadt Andernach hat nach Angaben der Rhein-Zeitung über den aktuellen Sachstand informiert, eine endgültige Entscheidung des Stadtrats steht aber noch aus. Bis dahin bleibt die Von-Bodelschwingh-Straße ein Beispiel dafür, wie eng Nachverdichtung und Lebensqualität im Quartier zusammenhängen – und wie wichtig es ist, dass Anwohnerinnen und Anwohner ihre Stimme frühzeitig einbringen.

Wer regelmäßig durch die Südstadt fährt oder dort mit den eigenen Kindern unterwegs ist, hat vermutlich längst eine Meinung dazu. Vielleicht lohnt sich an dieser Stelle einfach der Blick auf die eigene Straße: Welche Flächen sind dort unersetzlich – und welche könnten auch anders genutzt werden?

Quellen


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