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Orange the World im Rhein-Lahn-Kreis: Lahnstein macht mit szenischer Lesung Gewalt gegen Frauen sichtbar

Szenische Lesung in Lahnstein, orangene Bänke und ein Spendenlauf: Der Rhein-Lahn-Kreis setzt mit Orange the World 2026 ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Redaktion
·
28. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Tagen

Ein Zeichen, das man nicht übersehen kann

Wer in diesen Wochen durch den Rhein-Lahn-Kreis fährt, dem fallen sie vielleicht auf: orangefarbene Lichter an Rathäusern, Flaggen mit der Aufschrift „Nein zu Gewalt“, orangene Bänke mit QR-Code. Das ist kein Zufall, sondern Teil der internationalen Kampagne „Orange the World“, die seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam macht. Im Rhein-Lahn-Kreis bündelt das Bündnis für FrauenSchutz dafür in diesem Jahr wieder ein ganzes Programm aus Aktionen, Gesprächen und Kunst — mittendrin: eine szenische Lesung im Jugendkulturzentrum in Lahnstein.

Wie der Rhein-Lahn-Kreis mitteilt, trifft Gewalt Frauen unabhängig von Bildung, Einkommen, Alter, Herkunft oder Lebenssituation — auch hier in der Region. Tägliche Meldungen und steigende Fallzahlen machen deutlich, dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung handelt, keine Privatsache.

Die szenische Lesung in Lahnstein

Am 13. November 2026 lädt das Bündnis zu einer szenischen Lesung ins Jugendkulturzentrum Lahnstein ein. Sie ist Teil eines Programms, das laut Rhein-Lahn-Kreis bewusst Information, Kunst und Austausch miteinander verbindet. Die Veranstalterinnen sprechen von eindringlichen Geschichten und direkten Begegnungen, die im gesamten Landkreis für das Thema sensibilisieren sollen.

Die Lesung in Lahnstein steht damit nicht allein. Am 19. November folgt ein Kino-Special mit Filmgespräch in Hahnstätten, am 20. November eine „Lebendige Bibliothek“ in Diez, und am 25. November schließt eine Lesung mit Ausstellung, Netzwerken und Musik in Bad Ems das Programm ab. Wer das Thema also nicht nur einmal, sondern aus mehreren Perspektiven erleben möchte, findet rund um den Landkreis verschiedene Zugänge dazu.

Zwei Jahre Bündnis für FrauenSchutz

Hinter dem Programm steht das Bündnis für FrauenSchutz im Rhein-Lahn-Kreis, das sich vor zwei Jahren gegründet hat. Es bietet Veranstaltungen an, zeigt Beratungsangebote auf und vernetzt Expertinnen und Experten untereinander. Aufklärung, Vernetzung und Engagement nennt das Bündnis als zentrale Bausteine auf dem Weg zu einer gewaltfreien Gesellschaft.

Vertreterinnen des Bündnisses äußern sich laut Mitteilung des Rhein-Lahn-Kreises erfreut darüber, dass sich Frauen und Männer aller Generationen im Landkreis engagieren und sich klar gegen Gewalt positionieren — sei es als Teilnehmende bei Veranstaltungen, als Unterstützende in Initiativen oder mit sichtbarer Stimme in der Öffentlichkeit. Ein wirksamer Frauenschutz mit Informationen, Unterstützung und Prävention gelinge nur, wenn die Kräfte gebündelt würden, so das Bündnis weiter.

Seit dem vergangenen Jahr hat das Bündnis bereits zwei Selbstverteidigungskurse für Frauen und einen für Mädchen organisiert, zum sechsten Mal den virtuellen Spendenlauf „Sporteln gegen Gewalt“ durchgeführt und ein jährliches Netzwerktreffen für Fachkräfte initiiert. Dazu kommt eine Plakat- und Postkartenaktion, die gemeinsam mit der gesamten „Katastrophenschutz-Familie“ entstanden ist und in Arztpraxen, Apotheken, Supermärkten, Schulen, Kitas, Gemeinden, Kirchen und Büchereien verteilt wurde. Der Flyer mit Unterstützungsangeboten liegt mittlerweile in zweiter Auflage vor, und in vielen Orten des Landkreises werden aktuell orangene Bänke mit QR-Code zu Hilfsangeboten aufgestellt.

Spendenlauf und Mitmachaktionen

Wer sich auch sportlich engagieren möchte, kann das zwischen dem 14. Februar und dem 8. März 2027 tun: Der sechste virtuelle Spendenlauf „Sporteln gegen Gewalt“ ist bereits freigeschaltet. Neben Laufen, Wandern, Walken, Radfahren und Schwimmen gibt es wieder die Disziplin „Couchsurfen“ — gedacht für alle, die ein Zeichen setzen, aber aus Zeit- oder anderen Gründen keinen Sport treiben möchten. Der Erlös kommt dem Frauenhaus Koblenz zugute. Neu in diesem Jahr: Ganze Schulklassen, Vereine oder Abteilungen in Unternehmen können für eine Gesamtsumme von 15 Euro gemeinsam mitmachen und Kilometer sammeln, am eigenen Ort und im eigenen Tempo.

Kunst, die das Thema über die Region hinausträgt

Dass Kunst ein wirksames Mittel sein kann, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, zeigt auch ein Beispiel von außerhalb des Landkreises: Die Theater- und Kunstperformance „Blutiger Januar“, die laut Amnesty International am 27. November 2026 in Wiesbaden gezeigt wird, erzählt von staatlicher Gewalt, Hinrichtungen und dem Kampf gegen die Todesstrafe im Iran. Im Zentrum steht die Geschichte von Shole Pakravan, deren Tochter 2014 im Iran hingerichtet wurde und die selbst als Schauspielerin auf der Bühne steht. Solche Projekte zeigen: Egal ob szenische Lesung in Lahnstein oder Theaterperformance in Wiesbaden — Kunst kann einen Raum schaffen, in dem persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Missstände sichtbar werden, wo Worte allein oft nicht ausreichen.

Warum das alle etwas angeht

Man könnte meinen, solche Kampagnen laufen irgendwo im Hintergrund ab, ohne den eigenen Alltag zu berühren. Aber genau das ist der Punkt, den das Bündnis für FrauenSchutz immer wieder betont: Gewalt gegen Frauen passiert nicht irgendwo, sondern mitten unter uns — in der Nachbarschaft, im Kollegium, in der eigenen Straße. Die orangefarbenen Bänke, die Flaggen an den Rathäusern, die Lesung im Jugendkulturzentrum Lahnstein: Das sind kleine, sichtbare Zeichen dafür, dass der Landkreis hinschaut, statt wegzusehen. Wer mag, nimmt sich in den kommenden Wochen vielleicht einen Moment Zeit für eine der Veranstaltungen — oder schaut einfach mal genauer hin, wenn am Rathaus wieder das orangene Licht brennt.

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