
Neuwied zählt fast 68.000 Einwohner – ein Plus von 3.386 seit 2014. Zugleich zeigen Stadtteilwerkstätten, was sich die Menschen für ihre Zukunft wünschen.
Zum Stichtag 30. Juni waren in Neuwied 67.959 Menschen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Praktisch eine 68.000-Einwohner-Stadt also. Wer das nüchtern betrachtet, sieht erstmal eine Zahl. Wer genauer hinschaut, sieht eine Entwicklung: Seit 2014 sind das 3.386 Menschen mehr, ein Plus von 5,2 Prozent. Kein Zufall, sondern laut Stadtverwaltung Neuwied das Ergebnis einer Strategie, die schon vor Jahren aufgesetzt wurde.
Oberbürgermeister Jan Einig erinnert sich noch gut daran, wie ambitioniert das Ziel damals klang: bis 2030 auf 70.000 Einwohner zu kommen. „Damals galt dieses Ziel als ausgesprochen ehrgeizig. Heute sehen wir: Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagt er laut Mitteilung der Stadt Neuwied.
Das Plus verteilt sich nicht gleichmäßig übers Stadtgebiet, das macht es interessant. Die Innenstadt legte seit 2014 um 1.629 Einwohner zu – der größte Sprung. Heddesdorf gewann 857 Menschen hinzu. Auch Block, Heimbach-Weis und Torney verzeichnen ein Plus, wenn auch kleiner. Wer durch die Stadtteile fährt, merkt: Da tut sich was, nicht nur auf dem Papier.
Die Stadt selbst führt das Wachstum auf mehrere Faktoren zurück: neue Wohnbaugebiete, Investitionen in Schulen und Kitas, die Aufwertung der Innenstadt und ein größeres Projekt zur Ausweitung der Gewerbeflächen. Alles Bausteine, die zusammen die Grundlage dafür schaffen sollen, dass Neuwied auch in den kommenden Jahren weiter zulegt.
Für Einig ist das Wachstum mehr als eine Statistik. „Wachstum ist kein Selbstzweck“, betont er. „Es zeigt, dass Menschen gern in Neuwied leben oder sich bewusst für unsere Stadt entscheiden. Gleichzeitig ist es Ansporn, die Lebensqualität weiter zu verbessern und die Stadt zukunftsfähig zu gestalten.“ Das klingt nach einem Satz, den man sich merken kann, wenn die nächsten Jahre Entscheidungen anstehen.
Während die Einwohnerzahlen für sich sprechen, hat die Stadt parallel ihre Bürgerinnen und Bürger gefragt, wie sie sich ihre Stadt in Zukunft vorstellen. Im Rahmen des Stadtentwicklungsprojekts „NeuWie“ fanden in allen 14 Stadtteilen Werkstätten statt. Drei Wünsche kristallisierten sich dabei besonders deutlich heraus, wie der Bürgerkurier berichtet: mehr Orte für Begegnungen, bessere Mobilität abseits des Autos und mehr Grün im öffentlichen Raum.
Beim Thema Begegnung ging es den Teilnehmenden vor allem um unkomplizierte Treffpunkte – Bürgerhäuser, lebendige Ortsmitten, Plätze für Jugendliche oder öffentliche Räume, auf denen man sich aufhalten darf, ohne etwas konsumieren zu müssen. Wichtig war den Menschen dabei, dass diese Orte wirklich für alle offenstehen.
Auch Mobilität spielte eine große Rolle. Sichere Fuß- und Radwege, gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – das wünschten sich viele Teilnehmende. Spannend dabei: Nicht jedes Angebot muss im eigenen Stadtteil liegen. Wenn die Wege zu Nachbarstadtteilen stimmen, werden auch deren Einrichtungen gern genutzt. Das dritte große Thema war Grün. In fast allen Stadtteilen wurde der Wunsch nach mehr Bäumen und Grünflächen laut – nicht nur als Wohlfühlfaktor, sondern auch mit Blick auf den Klimawandel.
Alessa Strubel, Projektverantwortliche für NeuWie, ordnet die Ergebnisse so ein: „Diese drei Themen zeigen, wie viel Potenzial in unseren Stadtteilen steckt.“ In den Gesprächen sei auch deutlich geworden, dass sich manche Bürgerinnen und Bürger wünschen, ihr Stadtteil möge bei der Stadtentwicklung stärker berücksichtigt werden. Statt kleinteiligem Kirchturmdenken habe aber vor allem der Wunsch überwogen, die Stadt insgesamt voranzubringen. „Genau darin liegt eine große Chance für NeuWie“, hält Strubel laut Bürgerkurier fest.
Neben den Stadtteilwerkstätten wurden gezielt weitere Gruppen einbezogen, etwa Kinder und Jugendliche sowie der Beirat für Migration und Integration. In diesem Workshop ging es darum, wie Neuwied für Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und kulturellen Hintergründen lebenswert gestaltet werden kann – von Zugängen zu öffentlichen Angeboten bis zu alltäglichen Hürden. „Wir wollten bewusst auch Menschen erreichen, die sich sonst seltener an öffentlichen Diskussionen beteiligen“, erklärt Oberbürgermeister Jan Einig.
Mit den abgeschlossenen Beteiligungsformaten – vom Auftaktforum über ein aufsuchendes Format auf dem Gartenmarkt bis zur Online-Beteiligung – ist ein wichtiger Abschnitt im Projekt erreicht. Die Ergebnisse werden nun zusammengeführt und ausgewertet. Die neue Stadtentwicklungsstrategie soll voraussichtlich Mitte 2027 vorliegen. „Die Menschen wissen sehr genau, was ihren Stadtteil lebenswert macht und wo sie sich Veränderungen wünschen“, sagt Einig. „Jetzt geht es darum, die Ideen aufzugreifen und daraus gemeinsame Ziele für Neuwied zu entwickeln.“
Eine Stadt, die wächst, und Menschen, die sagen, wie sie sich diese Stadt vorstellen – beides gehört zusammen. Die Zahlen zeigen, dass Neuwied als Wohnort gefragt ist. Die Stadtteilwerkstätten zeigen, wohin die Reise aus Sicht der Menschen gehen soll: mehr Begegnung, bessere Wege, mehr Grün. Was daraus wird, entscheidet sich in den nächsten Jahren – wenn aus Ideen Pläne werden und aus Plänen vielleicht neue Plätze, Wege und Bäume in den Stadtteilen, die man heute schon kennt.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Antenne Koblenz
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.