
Nicole Emmler leitet seit Oktober das Neuwieder Jugendzentrum Big House. Ihr Weg von den Pfadfindern bis zur neuen Position zeigt, wie Jugendarbeit in Neuwied…
Manchmal passt ein Weg einfach zusammen, auch wenn er auf den ersten Blick kurvig wirkt. Seit dem 1. Oktober leitet Nicole Emmler das Neuwieder Jugendzentrum Big House. Die 55-Jährige aus Bad Hönningen ist in der Jugendarbeit der Region kein unbeschriebenes Blatt, wie die Stadt Neuwied in einer Pressemitteilung schreibt. Wer schon mal mit offenen Augen durchs Umland geschaut hat, kennt vielleicht das ProJu in Bad Hönningen. Genau dort hat Nicole Emmler die vergangenen Jahre geprägt, bevor sie sich für den Wechsel in die Deichstadt entschieden hat.
Was diesen Wechsel besonders macht? Es ist kein klassischer Quereinstieg, sondern das logische nächste Kapitel einer Geschichte, die schon lange vor dem Studium begonnen hat.
Nicole Emmler ist seit ihrem 16. Lebensjahr bei den Pfadfindern aktiv. Laut Stadt Neuwied hat sie 2001 den Schritt gewagt, aus diesem Ehrenamt einen Beruf zu machen, und sich als hauptamtliche Bildungsreferentin bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg beworben – obwohl sie ursprünglich Wirtschaftswissenschaften studiert und zehn Jahre in der Werbebranche gearbeitet hatte. Der Grund für den Kurswechsel war familiär: Mit drei kleinen Kindern ließ sich der alte Job nicht mehr so vereinbaren, wie sie es wollte.
Nach der Zeit bei der DPSG blieb sie der Jugendarbeit treu, unter anderem im Projekt „Zweite Chance“, das sich an Jugendliche richtet, die die Schule verweigern. 2013 übernahm sie dann das ProJu, die offene Jugendarbeit in Bad Hönningen – an dem Ort, an dem sie auch privat seit vielen Jahren lebt. Parallel zu dieser praktischen Arbeit holte sie sich an der Hochschule Koblenz das theoretische Rüstzeug und schloss ihr Studium der Sozialen Arbeit mit dem Bachelor ab. Seit drei Jahren unterrichtet sie zudem nebenberuflich an der Hochschule Köln.
Im ProJu war Nicole Emmler nach eigener Beschreibung weitgehend Einzelkämpferin. Im Big House sieht die Situation anders aus: Dort erwartet sie laut Stadt Neuwied nicht nur gute Räumlichkeiten, sondern auch ein Team aus drei weiteren pädagogischen Fachkräften, einem FSJler, einer Praktikantin und zahlreichen Ehrenamtlichen. Genau diese Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen, hat laut Pressemitteilung den Ausschlag für den Wechsel gegeben.
Dazu kommt ein Gefühl, das offenbar schon in den ersten Wochen spürbar war: Neuwied trägt das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ nicht nur als Etikett, sondern investiert nach Einschätzung der neuen Leiterin auch sichtbar in die junge Generation. Man merke das an vielen Stellen in der Stadt, wird sie in der Mitteilung zitiert.
Die ersten drei Wochen im neuen Job haben Nicole Emmler offenbar bestätigt, dass der Schritt richtig war. Von den Kolleginnen und Kollegen sei sie herzlich aufgenommen worden. Und auch die Jugendlichen im Big House haben schnell jemanden ins Herz geschlossen: ihren Beagle-Mischling Nika, der sie fast täglich zur Arbeit begleitet. Nach Angaben der Stadt Neuwied beobachtet Nicole Emmler dabei immer wieder, wie selbst anfangs zurückhaltende Jugendliche nach kurzer Zeit auftauen – und den Hund streicheln.
Diese Streifzüge mit Nika nutzt sie offenbar auch jenseits der Jugendzentrumsmauern. Sie will das Umfeld kennenlernen, herausfinden, wo sich junge Menschen in Neuwied aufhalten und was sie bewegt. Das Big House selbst werde schon gut angenommen, doch das Ziel gehe darüber hinaus: Auch die Jugendlichen sollen erreicht werden, die bislang noch keinen Weg ins Haus gefunden haben.
Konkrete Pläne für die kommenden Monate hält Nicole Emmler nach eigenen Worten noch bewusst zurück. Wichtiger ist ihr zunächst, im neuen Umfeld anzukommen, zuzuhören, zu beobachten – und vor allem das bestehende Team mit einzubeziehen. Ihre Ideen müssten schließlich nicht sofort fertig sein, sagt sie laut Pressemitteilung; die Kolleginnen und Kollegen dürften sie gerne mitgestalten.
Auch von städtischer Seite gibt es Rückendeckung: Bürgermeister Peter Jung und Jürgen Gügel, Abteilungsleiter des Kinder- und Jugendbüros der Stadtverwaltung, freuen sich laut Mitteilung, mit Nicole Emmler eine erfahrene und engagierte Leiterin für das Big House gewonnen zu haben. Beide sind demnach überzeugt, dass sie das Haus mit ihren Ideen und ihrer Erfahrung in der Jugendarbeit bereichern wird.
Wer durch Neuwied geht und am Big House vorbeikommt, trifft künftig also womöglich nicht nur auf offene Türen, sondern auch auf eine neugierige Hundeschnauze. Vielleicht ist das schon der erste Schritt, um jemanden zu erreichen, der sonst nie hineingegangen wäre.






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