
Die Lehmer Razejunge feierten 240 Jahre Tradition mit dem historischen Misttragen in der Würzlay – ein Einblick in echtes Moselbrauchtum und Weinbergarbeit.
Wer an der Terrassenmosel unterwegs ist, kennt die steilen Weinberge, die den Winzern seit Generationen alles abverlangen. Wie hart die Arbeit früherer Zeiten war, zeigt ein Brauch, den der Verein der Lehmer Razejunge alle vier Jahre in der Lehmener Würzlay wieder aufleben lässt: das traditionelle Misttragen. Am 17. Februar war es wieder so weit, wie faszinationmosel.info berichtet.
Mit sogenannten Razen – aus astlosen Haselnussstöcken geflochtenen Rückentragekörben – trugen die Razejunge Stallmist in den Wingert, um die Reben zu düngen. Genau so, wie es ihre Vorfahren schon im 18. Jahrhundert getan haben.
Besonders war der Termin in diesem Jahr aus einem weiteren Grund: Die Razejunge feierten ihr 240-jähriges Bestehen. Laut faszinationmosel.info geht die erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1784 zurück, festgehalten im Kirchbuch der Oberen Pfarrkirche zu Lehmen. Dort tauchen die Razejunge erstmals als Mistträger im Weingarten der Kirche auf.
Für diese Arbeit erhielten sie damals einen rheinischen Florin und 30 Albus. Heute machen die Razejunge das Ganze ehrenamtlich – wie faszinationmosel.info schreibt, mit viel Spaß an der Sache. Im Vorfeld der Jubiläumsveranstaltung wurde zudem eine neue Thementafel im Razejungewingert aufgestellt, die über die Geschichte und die Arbeit des Vereins informiert.
Landwirt Friedel Weckbecker stiftete den Stallmist für die Aktion, zahlreiche Freunde und Förderer halfen bei der Weinbergarbeit mit. Nach Angaben von faszinationmosel.info war Landrat Dr. Saftig bereits zum dritten Mal dabei. Auch Verbandsbürgermeisterin Kathrin Laymann, die Geschäftsführerin der Regionalinitiative Faszination Mosel, Simone Röhr, und Weinkönigin Mandy griffen selbst zur Raz und trugen Mist in den Wingert. Bürgermeister Arnold Waschgler, selbst Razejung, war ebenso dabei wie mehrere Ehrenrazejunge vergangener Jahre. Auch Kinder und Jugendliche beteiligten sich, und ein Fernsehteam des SWR hielt die Aktion fest.
Im Rahmen der Jubiläumsfeier erhielten die Lehmener Weinkönigin Mandy, Verbandsbürgermeisterin Kathrin Laymann und Ehrenrazejung Uwe Berens je eine Gedenk-Schiefertafel für ihr Engagement im Verein und schraubten diese eigenhändig an einen Weinbergpfahl.
Nach getaner Arbeit gab es laut faszinationmosel.info ein deftiges Wingertsessen im Pfarrheim, zubereitet von Chefkoch Fritz Knaudt. Eine besondere Ehre wurde dem 93-jährigen Franz-Josef Hofmann zuteil, der 1974 das Logo der Razejunge entworfen hatte: Oberrazejung Guido Ackermann zeichnete ihn als Ehrenknüppelträger 2024 aus. Dieter Möhring, 2. Vorsitzender des Vereins, stellte in einer Präsentation die Geschichte der Razejunge und die Tradition des Misttragens vor.
Wie faszinationmosel.info zitiert, sind sich der 1. und 2. Vorsitzende, Guido Ackermann und Dieter Möhring, einig: Ohne die Kenntnis der eigenen Vergangenheit gebe es keine Zukunft. Die Lehmer Razejunge blicken bereits auf weitere Vereinsveranstaltungen im Jahr 2024.
Solche Bräuche erinnern daran, was Weinbau an der Mosel bedeutet hat – und manchmal bis heute bedeutet. Ein Blick in die Weinberge zwischen Koblenz und Cochem lohnt sich eben nicht nur wegen der Aussicht.






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