
Koblenz führt ab 2027 einen Gästebeitrag ein: 3,50 Euro pro Übernachtung, dafür gibt es ein kostenloses VRM-Ticket für Bus und Bahn in der Region.
Der Koblenzer Stadtrat hat am 29. Oktober 2026 beschlossen: Ab dem 1. Januar 2027 wird in Koblenz ein Gästebeitrag erhoben. Wer in der Stadt übernachtet, zahlt dann 2,90 Euro pro Person und Nacht, dazu kommen 0,60 Euro für ein VRM-Gästeticket. Macht zusammen 3,50 Euro. Klingt erstmal nach einer neuen Abgabe — ist aber mehr als das, wie die Koblenz Touristik GmbH in ihrer Mitteilung erklärt.
Denn mit dem Beitrag ist ein ziemlich praktischer Mehrwert verbunden: das VRM-Gästeticket. Übernachtungsgäste können damit den öffentlichen Nahverkehr im Geltungsbereich kostenfrei nutzen. Wer schon mal versucht hat, in einer fremden Stadt schnell das richtige Busticket zu finden, weiß, wie viel Nerven das sparen kann. Hier ist der Fahrschein einfach mit drin — kein Automat, kein Rätselraten, kein Kleingeld.
Tourismus ist für Koblenz kein Nebenschauplatz. Nach Angaben der Stadt besuchen jährlich mehrere Millionen Tages- und Übernachtungsgäste die Stadt und sorgen für Wertschöpfung in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und vielen weiteren Branchen. Damit das so bleibt, braucht es aber auch Investitionen — in Infrastruktur, Service und neue Angebote. Genau dafür soll der Gästebeitrag zweckgebundene Mittel bringen.
Die Einführung kam nicht über Nacht. Laut Koblenz Touristik gingen rund eineinhalb Jahre intensiver Vorbereitung voraus, gemeinsam mit der Stadtverwaltung. Ziel war ein Modell, das rechtssicher ist und langfristig trägt — und das die Interessen von Gästen, Gastgeberinnen und Gastgebern sowie der Stadt selbst berücksichtigt.
Die Einnahmen sollen nicht nur bestehende touristische Angebote sichern, sondern auch neue Projekte anschieben. Geplant ist unter anderem eine groß angelegte Marketingkampagne, mit der Koblenz als Städtereiseziel noch stärker positioniert werden soll — mit dem Ziel, neue Gästegruppen anzusprechen.
Ein weiterer Baustein: neue Premium-Wanderwege im Koblenzer Stadtgebiet. Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, bekommt künftig also mehr Auswahl. Das passt zu einer Stadt, die zwischen Rhein und Mosel liegt und genug Höhenwege und Aussichtspunkte zu bieten hat, um Naturtourismus ernsthaft auszubauen.
Auch die Digitalisierung des touristischen Angebots steht auf der Liste. Die bekannten roten Informationsstelen im Stadtgebiet sollen weiterentwickelt werden — mit digitalen und interaktiven Inhalten, etwa mittels Augmented Reality. Sehenswürdigkeiten und Stadtgeschichte sollen so auf neue Weise erlebbar werden. Gleichzeitig eröffnen digitale Lösungen neue Möglichkeiten für Gästeinformation und Besucherlenkung — praktisch, wenn an einem sonnigen Samstag plötzlich alle gleichzeitig zum Deutschen Eck wollen.
Claus Hoffmann, Geschäftsführer der Koblenz-Touristik GmbH, erklärt laut Mitteilung der Stadt: Mit dem Gästebeitrag schaffe man neue Möglichkeiten, Koblenz als Tourismusstandort gezielt und nachhaltig weiterzuentwickeln. Besonders wichtig sei, dass die Mittel nicht nur bestehende Angebote sichern, sondern auch Raum für neue Ideen eröffnen — ob neue Wandererlebnisse, digitale Gästeinformation oder gezielte Qualitätsentwicklung.
Profitieren sollen davon nicht nur die Gäste selbst. Auch die Gastgeberinnen und Gastgeber bekommen mit dem kostenfreien ÖPNV-Ticket ein handfestes Argument, das sie ihren Gästen mitgeben können. Und wenn Gäste länger bleiben und mehr unternehmen, füllen sich auch Gastronomie, Einzelhandel sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen — wovon am Ende, so die Stadt, auch die Koblenzerinnen und Koblenzer selbst etwas haben.
Damit die Umsetzung reibungslos läuft, ist ein eigener Fachbeirat vorgesehen. Er soll Verwaltung und Stadtrat bei grundsätzlichen Fragen der Mittelverwendung tourismusfachlich beraten, damit die Einnahmen transparent und wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden.
Erhoben wird der Gästebeitrag ab dem 1. Januar 2027 von allen beitragspflichtigen Übernachtungsgästen. Stadtverwaltung und Koblenz-Touristik wollen die Gastgeberinnen und Gastgeber in den kommenden Wochen umfassend über die praktische Umsetzung informieren — unter anderem bei einer weiteren Informationsveranstaltung Anfang Dezember.
Wer also demnächst Besuch aus einer anderen Stadt bekommt oder selbst eine Nacht in Koblenz plant: Ab Januar gehört das Busticket für den Nahverkehr einfach zur Übernachtung dazu. Vielleicht ein kleiner Grund mehr, den Gästen zu zeigen, wie schön es sich hier zwischen Rhein und Mosel wandern, bummeln und ankommen lässt.






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