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InnoVerse in Andernach: Wenn Forschung zum neuen Nachbarn wird

LTS eröffnet in Andernach das neue Innovationszentrum InnoVerse: 40 Millionen Euro Investition, 1.

Redaktion
·
23. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Woche

Ein neues Haus für alte Fragen

Manchmal passiert Zukunft nicht in Berlin oder im Silicon Valley, sondern direkt am Rhein, auf halber Strecke zwischen Koblenz und Andernach. Genau dort hat LTS Lohmann Therapie-Systeme AG jetzt ihr neues Innovationszentrum eröffnet, InnoVerse genannt. Wie das Unternehmen mitteilt, ist die Anlage am Standort Andernach nach rund drei Jahren Bauzeit und einer Investition von etwa 40 Millionen Euro fertiggestellt worden. Das ist kein kleines Nebenprojekt, sondern ein Statement: Hier wird weiter an den Medikamenten von morgen gearbeitet.

Wer regelmäßig an Andernach vorbeifährt, kennt die Werksgebäude am Rhein längst als festen Bestandteil des Stadtbilds. Jetzt kommt mit InnoVerse eine Einrichtung dazu, die laut Unternehmensangaben modernste Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Das klingt zunächst abstrakt. Konkret heißt es: In Andernach wird weiter daran geforscht, wie Wirkstoffe den Weg in den menschlichen Körper finden — über die Haut, über die Schleimhaut, über neue Darreichungsformen, die LTS seit Jahrzehnten mitentwickelt.

Warum Andernach überhaupt der richtige Ort dafür ist

Das kennt ihr vielleicht noch nicht: LTS ist der größte Arbeitgeber in Andernach. Nach Angaben von Die Deutsche Wirtschaft beschäftigt das Unternehmen rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort und erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 260,6 Millionen Euro. Damit ist LTS nicht irgendein Betrieb unter vielen, sondern das wirtschaftliche Schwergewicht der Stadt — mit deutlichem Abstand vor anderen großen Unternehmen wie Masa GmbH oder Alpha Metall.

Noch bemerkenswerter: Die Deutsche Wirtschaft führt LTS als einen von nur zwei deutschen Weltmarktführern, die ihren Sitz in Andernach haben. Konkret gilt das Unternehmen als Weltmarktführer für transdermale therapeutische Systeme sowie für folienförmige orale Wirkstoff-Filme. Übersetzt heißt das: Pflaster und Filme, die Medikamente auf neuen Wegen in den Körper bringen, statt über die klassische Tablette. Diese Technologie ist nicht neu erfunden worden, aber sie wird in Andernach weiterentwickelt — und genau dafür ist InnoVerse jetzt der neue Rahmen.

Ein Standort mit Luft nach oben

Ganz ohne Kontext wäre es zu einfach, Andernach nur als Boomtown zu erzählen. Laut dem aktuellen Standortranking von Die Deutsche Wirtschaft liegt die Stadt bundesweit auf Rang 519 von allen deutschen Standorten — ein Rückgang von 20 Plätzen gegenüber der Vorversion. Mit 21,34 Punkten und sieben in der Datenbank geführten Top-Unternehmen landet Andernach im bundesweiten Unternehmensranking auf Rang 665. Auch beim Verhältnis von Arbeitsplätzen zur Einwohnerzahl taucht die Stadt eher im Mittelfeld auf, Rang 642 bundesweit.

Was heißt das für die Investition von LTS? Es zeigt, dass eine Entscheidung wie diese nicht selbstverständlich ist. Ein Unternehmen, das 40 Millionen Euro in ein neues Forschungszentrum steckt, trifft damit auch eine Standortentscheidung — und zwar für Andernach, nicht für einen der üblichen Innovations-Hotspots. Nach Angaben von Die Deutsche Wirtschaft zählt die Stadt rund 30.000 Einwohner und ist mit 15.441 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für ihre Größe durchaus ein relevanter Arbeitsmarkt in der Region. Mit LTS als größtem Arbeitgeber hängt ein gutes Stück dieser Beschäftigung direkt an der Entwicklung des Unternehmens.

Was die Investition für die Region bedeutet

Wer in Koblenz, Mayen oder eben Andernach lebt, kennt das Gefühl: Die großen Schlagzeilen spielen woanders. Dabei passiert direkt vor der Haustür etwas, das überregional zählt. Ein Unternehmen, das als Weltmarktführer in seiner Nische gilt und jetzt zusätzlich in Forschungsinfrastruktur investiert, sendet ein klares Signal — auch an die eigene Belegschaft und an potenzielle neue Fachkräfte in der Region.

Für Andernach ist das mehr als nur eine neue Fabrikhalle. Es ist die Bestätigung, dass Pharmaforschung nicht zwingend in den Großstadtzentren stattfinden muss. Die Mischung aus etablierten Standortfaktoren, einem erfahrenen Mitarbeiterstamm und einer über Jahrzehnte gewachsenen Infrastruktur macht die Region offenbar attraktiv genug, um hier weiterzubauen, statt neu anzufangen.

Ein Blick, der sich lohnt

Die Deutsche Eck, der Rhein, die Mosel — darüber reden viele, wenn es um unsere Region geht. Doch genauso gehört dazu, was in den Werkshallen und Laboren entlang des Flusses passiert. InnoVerse ist kein Ort, den man als Laie besuchen kann. Aber zu wissen, dass hier an Pflastern und Wirkstofffilmen gearbeitet wird, die später weltweit Menschen helfen, gibt dem Vorbeifahren am LTS-Gelände eine andere Bedeutung. Wer das nächste Mal am Rhein entlang nach Andernach fährt, schaut vielleicht noch mal genauer hin.

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