
Die Hauderer aus dem Hunsrück zeigen seit Jahrzehnten Jahresausstellungen in Simmern – mit Themen wie Tierschicksalen.
Der Hunsrück hat eine Künstlerszene, die es in sich hat. Seit Jahrzehnten trifft sich dort der Arbeitskreis künstlerisch Schaffender auf dem Hunsrück, kurz die Hauderer, und zeigt in Simmern regelmäßig eine Jahresausstellung. Die Themen dieser Schauen sind selten beliebig gewählt. 2023 stand die Gruppe unter dem Titel „Viel-Fell-Tick“ zusammen, 2025 widmet sie sich dem Thema „Mein Freund der Baum“. Dazwischen liegt eine Reihe von Ausstellungen, die zeigen: Diese Künstlerinnen und Künstler nehmen sich Zeit für Themen, die über die Landschaftsmalerei hinausgehen.
Einer, der die Hauderer mitgeprägt hat, ist Karl Kaul. Der Maler wurde 1937 in Waldböckelheim geboren, studierte an den Kunsthochschulen in Saarbrücken und Mainz und unterrichtete von 1965 bis 2000 als Kunsterzieher am Herzog-Johann-Gymnasium in Simmern. Er lebt und arbeitet bis heute in Keidelheim. Laut dem Hunsrück-Museum Simmern ist er nicht nur Mitglied verschiedener Künstlergruppen, sondern auch Gründer der Hauderer. Wer in der Region über Kunst aus dem Hunsrück spricht, kommt an diesem Namen kaum vorbei.
Wie das Hunsrück-Museum Simmern mitteilt, bekam Kaul im Frühjahr 2024 eine eigene Einzelausstellung im Neuen Schloss Simmern. Unter dem Titel „Werkschau Karl Kaul“ zeigte das Museum von März bis April 2024 einen Querschnitt durch sein Schaffen: Hunsrück-Landschaften neben abstrakter und figurativer Malerei, dazu Graphiken, Aquarelle und großformatige Serien. Die Vernissage fand im Foyer des Neuen Schlosses statt.
Unter den gezeigten Arbeiten findet sich auch ein Werk mit dem Titel „Mowgli“ aus dem Jahr 2011 – ein Hinweis darauf, dass sich Kaul schon länger mit Tiermotiven und ihren Geschichten beschäftigt. Das passt zur Linie der Hauderer insgesamt: Wer die Ausstellungsgeschichte der Gruppe durchgeht, stößt immer wieder auf Themen, die sich mit Lebewesen, ihrem Schicksal und ihrer Beziehung zum Menschen auseinandersetzen.
Die Chronologie auf der Internetseite von Karl Kaul listet die Ausstellungen seit 2001 lückenlos auf. Sie zeigt, wie fest die Jahresausstellung der Hauderer im Simmerner Kulturkalender verankert ist. 2021 feierte die Gruppe sogar „40 Jahre Hauderer“ – ein Jubiläum, das die lange Tradition dieser Jahresschau unterstreicht. Fast jedes Jahr taucht Simmern in der Liste auf, mal mit poetischen Themen wie „Verborgenes“ oder „Traumwelten“, mal mit konkreten Bezügen wie „Gärten“ oder eben Tierschicksalen.
Neben der Jahresausstellung ist Karl Kaul auch mit Einzelausstellungen bundesweit vertreten gewesen, von Köln über Frankfurt bis Bonn. Doch der Ankerpunkt bleibt der Hunsrück: Simmern, das Neue Schloss, die Kreisverwaltung, die Stephanskirche – immer wieder sind es Orte in der Region, an denen die Hauderer ihre Werke zeigen.
Wer durch Simmern läuft, geht oft an Orten vorbei, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Das Neue Schloss ist so ein Ort. Dort trifft sich einmal im Jahr eine Künstlergruppe, die sich traut, über Tierschicksale, über das Verhältnis von Mensch und Natur, über Vergängliches und Verborgenes nachzudenken – und das mitten im Hunsrück, nicht irgendwo.
Das ist das Schöne an einer Region wie unserer: Große Themen brauchen keine große Bühne. Sie finden ihren Platz auch im Foyer eines Schlosses in Simmern, in den Bildern eines Mannes, der sein ganzes Leben hier verbracht hat. Wer das nächste Mal am Schloss vorbeifährt, schaut vielleicht genauer hin.






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