
Neuwied lädt vom 6. bis 20. November zu den Demokratiewochen „Deine Stimme – No Joke!“ ein: Ausstellung, Workshops, Film, Theater und Lesung für junge Menschen.
Wie fühlt es sich an, die eigene Heimat verlassen zu müssen? Woran erkennt man ein manipuliertes Bild, bevor man es teilt? Und was tust du eigentlich, wenn in der Pause jemand ausgegrenzt wird? Solche Fragen klingen erstmal groß. Aber genau darum geht es bei den Demokratiewochen, zu denen die Stadt Neuwied vom 6. bis 20. November einlädt. Unter dem Titel „Deine Stimme – No Joke!“ hat die Stadt erstmals ein so breites Programm auf die Beine gestellt – mit Ausstellung, Workshops, Film, Theater und Lesung. Organisiert haben das Ganze die städtische Kinder- und Jugendförderung, die Schulsozialarbeit und zahlreiche weitere Partner.
Offiziell eröffnet wird am Dienstag, 10. November, um 10 Uhr im Jugendzentrum Big House. Und wer das Big House kennt, weiß: Das ist genau der richtige Ort dafür. Schließlich ist das Neuwieder Jugendzentrum ohnehin ein Dreh- und Angelpunkt für junge Menschen in der Stadt, wie die Übersicht der Stadt Neuwied zum Bereich Kinder & Jugend zeigt.
Herzstück der Demokratiewochen ist die mobile Ausstellung „YOUNIWORTH“, die sich mit Jugend, Migration, Vielfalt und dem Zusammenleben beschäftigt. Vom 10. bis 13. sowie vom 16. bis 19. November können Schulklassen der Jahrgangsstufen 8 bis 13 sie im Big House besuchen. Sieben multimediale Mitmachstationen laden dazu ein, sich mit Heimat, Vorurteilen und einem respektvollen Miteinander auseinanderzusetzen – nicht als trockene Theorie, sondern zum Anfassen und Ausprobieren.
Besonders ist dabei: Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse begleiten die Gruppen selbst als geschulte Ausstellungsguides, gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften. Wer sagt eigentlich, dass nur Erwachsene erklären können? Nachmittags öffnet die kostenlose Ausstellung zusätzlich für Fachkräfte, Menschen aus der Politik und alle anderen Interessierten.
Sieben kostenlose Nachmittagsworkshops ergänzen das Programm und greifen Themen auf, die junge Menschen wirklich beschäftigen: Selbstbehauptung, Zivilcourage gegen Mobbing, Kinder- und Jugendrechte, der Umgang mit Falschinformationen und KI-generierten Bildern. Dazu kommen Angebote zu kultureller Vielfalt, zu den Aufgaben der Polizei und zu Fragen rund um Demokratie und Gesellschaft. Je nach Thema richten sich die Workshops an Schulklassen, Jugendgruppen oder Einzelpersonen – beim Einbürgerungstest der Volkshochschule sind sogar Erwachsene willkommen. Demokratie geht eben nicht erst ab 18 los.
Neben Ausstellung und Workshops bringt das Programm auch Kultur ins Spiel. Geplant sind eine Live-Lounge mit Poetry Slam, die Filme „Die Welle“ und „Die Unbeugsamen“ sowie eine Lesung mit Hannes Kreschel aus seinem Buch „Wutbürger.exe – Ein Report aus der Rage-Republik“. Das Theaterstück „Kinderrechte Superkräfte“ für Grundschulkinder ist bereits ausgebucht – ein Zeichen dafür, wie groß das Interesse an diesen Themen schon bei den Jüngsten ist. Wer selbst kreativ werden will, kann sich zudem an einem Kreativwettbewerb beteiligen und zeigen, was Demokratie für ihn oder sie persönlich bedeutet.
Einen kleinen Vorgeschmack auf die Poetry-Slam-Reihe gab es bereits: Laut der Stadt Neuwied traten beim Finale im Big House sechs Slammerinnen und Slammer in zwei Runden gegeneinander an – ein Format, das zeigt, wie viel Kraft in wenigen, gut gewählten Worten stecken kann.
Demokratie beginnt nicht erst bei Wahlen oder im Stadtrat. Sie zeigt sich im Schulalltag, im Umgang miteinander, überall dort, wo Menschen Verantwortung für ihre Gemeinschaft übernehmen. Genau das wollen die Demokratiewochen vermitteln: unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen, eigene Standpunkte entwickeln, miteinander ins Gespräch kommen. Das passt auch zum Selbstverständnis der Stadt Neuwied, die laut eigener Darstellung seit September 2023 als erste Stadt in Rheinland-Pfalz das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ trägt – mit dem Anspruch, die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen vor Ort weiter zu stärken.
Das vollständige Programm mit allen Terminen, Zielgruppen und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter www.up2date-neuwied.de/demokratiewochen-2026. Die Ausstellung „YOUNIWORTH“ und die Nachmittagsworkshops sind kostenlos, für einzelne Kulturangebote gelten gesonderte Eintrittspreise.
Vielleicht ist das ja der Impuls für die nächste Kaffeepause: einmal mit den eigenen Kindern, Nachbarn oder Kollegen darüber sprechen, was Demokratie im ganz normalen Alltag eigentlich bedeutet. Man muss dafür nicht bis zur nächsten Wahl warten.






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