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Adolfstraße in Lahnstein: Warum die Richtung weiter offen bleibt

Nach 2.152 Unterschriften gegen die Ringlösung in Lahnstein: SPD und Grüne fordern erst Fakten, dann Entscheidung zur Adolfstraße.

Redaktion
·
1. November 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 23 Stunden

Ein Thema, das Lahnstein seit Monaten umtreibt

Wer in Lahnstein lebt, kennt die Debatte um die Adolfstraße längst aus dem Alltag. Die Frage, in welche Richtung dort künftig gefahren werden darf, beschäftigt nicht nur die Verwaltung, sondern spürbar auch die Nachbarschaft. Jetzt hat das Thema wieder richtig Fahrt aufgenommen: Die Bürgerinitiative „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“ hat der Stadtverwaltung am 23. Oktober 2026 zunächst 2.135 Unterschriften übergeben, bis zum Fristende am 26. Oktober kamen weitere dazu. Am Ende stand eine Zahl von 2.152 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren gegen den Stadtratsbeschluss vom 25. Juni 2026, der die derzeitige Fahrtrichtung in der Adolfstraße festschreibt.

Damit wäre das nötige Quorum von mindestens 1.146 gültigen Unterschriften nach Auffassung der Initiative deutlich übertroffen. Ob das tatsächlich so ist, muss nun die Stadtverwaltung prüfen. Erst danach entscheidet der Stadtrat über die Zulässigkeit des Begehrens.

Was passiert, wenn das Begehren zulässig ist?

Hier wird es interessant – und das verstehen viele falsch. Eine Aufhebung des Ratsbeschlusses bedeutet nicht automatisch, dass die Adolfstraße sofort wieder in die alte Richtung befahren wird. Sie öffnet lediglich die Tür für eine neue politische Beratung, an der sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen sollen. Erklärt der Stadtrat das Bürgerbegehren für zulässig, kann er dem Anliegen folgen und den Beschluss selbst kippen. Tut er das nicht, kommt es zum Bürgerentscheid – dann liegt die Entscheidung direkt bei den Lahnsteinerinnen und Lahnsteinern. Damit ein solcher Entscheid wirksam wird, braucht es nicht nur eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen, sondern auch mindestens 2.149 zustimmende Stimmberechtigte insgesamt.

Der Initiative geht es dabei nicht um einen Schnellschuss. Sie schlägt vor, die ursprüngliche Fahrtrichtung im Rahmen der Fortschreibung des Mobilitätsentwicklungskonzepts testweise zu erproben – begleitet von einem unabhängigen Sachverständigenbüro, das die Ergebnisse bewertet. Kurze Wege, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die Rückkehr zur alten Richtung sollen zusammen gedacht werden.

Die SPD-Fraktion: Erst die Probleme benennen, dann entscheiden

Die SPD-Stadtratsfraktion hat sich inzwischen klar positioniert. Wie der BEN-Kurier berichtet, nimmt die Fraktion das Ergebnis des Bürgerbegehrens ernst und respektiert das Engagement der Initiative und der vielen Beteiligten. Perry Metten-Golly, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, betont, dass die hohe Beteiligung zeige, wie sehr die Verkehrsführung die Menschen in Lahnstein beschäftige. Viele seien unzufrieden, deshalb müssten die Probleme dringend angegangen werden.

Wichtig für das Verständnis der aktuellen Lage: Der Beschluss zur dauerhaften Beibehaltung der jetzigen Fahrtrichtung wurde im Juni ohne die Stimmen der SPD gefasst. Die Fraktion hatte gefordert, sich erst gründlich mit dem Problem auseinanderzusetzen, bevor eine Richtung festgelegt wird. Genau diese Haltung wiederholt sie jetzt: Erst müssen die Probleme benannt und mögliche Lösungen erörtert werden, dann kann eine Entscheidung fallen.

Im Zentrum steht für die SPD das Mobilitätsentwicklungskonzept, dessen Fortschreibung der Stadtrat im Juni auf Antrag der Fraktion einstimmig beschlossen hatte. Umgesetzt ist davon bislang nichts, einen Zeitplan hat die Verwaltung bisher nicht genannt. Während der anstehenden Sanierung der Hochstraße soll die Adolfstraße nach Vorstellung der SPD in ihrer jetzigen Form bleiben – die Bauzeit soll stattdessen genutzt werden, um ein Gesamtverkehrskonzept zu erarbeiten, das ergebnisoffen alle Varianten prüft: die Beibehaltung und Optimierung der aktuellen Lösung ebenso wie eine erneute Drehung der Fahrtrichtung. SPD-Stadtrat Herbert Fuß verweist zudem auf eine gesetzlich vorgeschriebene Verkehrsschau, die auch für die bestehende Verkehrsführung dringend erforderlich sei. Co-Ortsvorsitzende Judith Ulrich erwartet von der Verwaltung, den einstimmigen Ratsbeschluss zum Mobilitätsentwicklungskonzept zeitnah umzusetzen.

Auch die Grünen melden sich zu Wort

Nach der SPD hat sich, wie der BEN-Kurier berichtet, inzwischen auch die Grünen-Fraktion positioniert. Jutta Niel macht für die Grünen deutlich, dass der Bürgerwille ernst genommen werden müsse, spricht sich aber gleichzeitig gegen eine vorschnelle Festlegung auf eine bestimmte Verkehrsführung aus. Eine grundsätzliche Position für oder gegen die Ringlösung gibt es bei den Grünen nicht – stattdessen soll auch die frühere Fahrtrichtung der Adolfstraße sachlich untersucht werden, und zwar im Zusammenhang mit der anstehenden Sanierung der Hochstraße und dem gesamten Verkehrsnetz.

Deutlicher wird Niel bei der bisherigen politischen Auseinandersetzung: Die Grünen hätten bereits einen eigenen Alternativvorschlag eingebracht, der bislang kein Gehör gefunden habe. Auch der Vorschlag eines runden Tisches mit allen Beteiligten sei nicht ausreichend aufgegriffen worden. Ein solcher Austausch sei aus ihrer Sicht weiterhin notwendig, bevor es möglicherweise erneut zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt. Niel erinnert außerdem daran, dass sie sich bereits bei der Einwohnerversammlung am 26. März 2025 in der Stadthalle für ein Bürgerbegehren ausgesprochen hatte – was damals unter Verweis auf die Straßenverkehrsordnung abgelehnt wurde. Erst der gerichtliche Vergleich im Rechtsstreit zwischen SPD und Grünen auf der einen und Oberbürgermeister Lennart Siefert auf der anderen Seite habe nach ihrer Darstellung den Weg für das jetzige Bürgerbegehren eröffnet.

Auch bei den Grünen steht das Mobilitätsentwicklungskonzept im Mittelpunkt: Sie fordern, dass der Stadtrat die nötigen Haushaltsmittel für die beschlossene Untersuchung der Problemstellen bereitstellt. Konkret geht es ihnen um die Verkehrssicherheit rund um das Schulzentrum, den Begegnungsverkehr von Bussen, die Einhaltung von Tempo 30 in der Ostallee, eine bessere Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs und die Anordnung der Zebrastreifen in der Adolfstraße. Weitere Verzögerungen seien aus ihrer Sicht nicht hinnehmbar.

Wie geht es weiter?

Noch ist offen, ob der Stadtrat dem Bürgerbegehren folgt oder ob es am Ende zu einem Bürgerentscheid kommt. Die Bürgerinitiative erwartet eine zeitnahe Prüfung der Unterschriften und eine Entscheidung über die Zulässigkeit in einer der nächsten Stadtratssitzungen. SPD und Grüne sind sich einig, dass sie eine erneute sachliche Befassung mit der Verkehrsführung für notwendig halten – wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Für alle Beteiligten hängt die weitere Entwicklung zunächst an einer Frage: Wird das Bürgerbegehren für zulässig erklärt?

Bis dahin bleibt die Adolfstraße das, was sie seit Monaten ist: ein Stück Straße, über das in Lahnstein mehr geredet wird als über fast alles andere. Vielleicht ist das am Ende gar nicht das Schlechteste – wenn daraus eine Lösung entsteht, die wirklich alle mittragen können.

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