
183 Meisterjubilare, 9.950 Meisterjahre: Die HwK Koblenz feierte runde Meisterjubiläen aus 41 Berufen mit Urkunden für bis zu 70 Jahre Meisterschaft.
Ein Meisterbrief ist kein Stück Papier, das man einmal in die Schublade legt und vergisst. Das zeigt sich eindrucksvoll, wenn eine ganze Region zusammenkommt, um genau diesen Titel zu feiern — teilweise nach 70 Jahren. Die Handwerkskammer (HwK) Koblenz hat 183 Meisterjubilare aus 41 Berufen geehrt. Zusammengerechnet kommen die Geehrten auf 9.950 Meisterjahre. Zahlen, bei denen man kurz innehält, oder?
Über zwei Tage verteilt kamen 450 Gäste ins Zentrum für Ernährung und Gesundheit, darunter viele Familienangehörige der Jubilare. Wie der WW-Kurier berichtet, legten die Geehrten ihre Meisterprüfungen in den Jahren 1956, 1961, 1966 oder 1976 ab — und wurden nun für 50, 60, 65 oder sogar 70 Jahre Meisterschaft ausgezeichnet.
Besonders selten in der Geschichte der Kammer: gleich vier Platin-Meister wurden geehrt, zwei Bäcker, ein Fleischer sowie ein Betonstein- und Terrazzohersteller, alle für 70 Jahre Meisterschaft. Nach Angaben von Lebendiges-Neuwied hatte es eine solche Konstellation in dieser Form noch nie gegeben. Der älteste Jubilar der Feier ist 97 Jahre alt und seit 1961 Schlossermeister.
HwK-Präsident Kurt Krautscheid überreichte jedem Meisterjubilar persönlich die Urkunde. Moderiert wurde die Veranstaltung von HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich. Krautscheid nahm sich dabei traditionell Zeit, blickte während der Feier auch auf die jeweiligen Jahrzehnte zurück — von der großen Weltpolitik bis zu Entwicklungen im Handwerk selbst. Er erinnerte zudem an eine vergleichbare Altmeisterfeier vor 60 Jahren, an der gerade einmal 50 Personen teilgenommen hatten. Der Vergleich macht deutlich, wie sehr dieses Format über die Jahrzehnte gewachsen ist.
Ein Kurzfilm stellte während der Feier exemplarisch zwei der Jubilare vor. Friedhelm Adorf, 83 Jahre alt, Schmiede- und Kfz-Mechanikermeister aus Heupelzen im Kreis Altenkirchen, wurde als Sportler mehrfach Welt- und Europameister in seiner Altersklasse. Und Wilhelm Friedolin Birk, 88 Jahre alt, Uhrenmacher- und Augenoptikermeister aus Simmern im Hunsrück, arbeitet laut WW-Kurier bis heute für Kunden im 1969 gegründeten Familienunternehmen. Zwei Lebenswege, zwei Berufe, ein gemeinsamer Nenner: der Meistertitel als roter Faden durch ein ganzes Berufsleben.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Martin Klein am Flügel. Goldene, Diamantene, Eiserne und Platin-Meisterbriefe wechselten an diesen beiden Tagen den Besitzer — jeder einzelne verbunden mit einer eigenen Geschichte, einem eigenen Betrieb, einer eigenen Lebensleistung.
41 Berufe, sieben Jahrzehnte, 183 Namen — diese Feier erzählt mehr als nur eine Chronik abgelegter Prüfungen. Sie erzählt davon, dass Handwerk in der Rhein-Mosel-Region kein Auslaufmodell ist, sondern eine Konstante, die Generationen überdauert. Fotos von der Altmeisterfeier sollen laut Ankündigung der Handwerkskammer ab November unter www.hwk-koblenz.de/fotos veröffentlicht werden.
Vielleicht kennt ihr selbst jemanden mit einem Meisterbrief in der Schublade — den Nachbarn, die Tante, den Chef von nebenan. Fragt sie doch mal, wie lange der Titel schon hängt. Die Antwort überrascht meistens.






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